Günter Peis

Journalist und Historiker


  
   Günter Peis (1995)
Günter Alexander Peis (* 23.7.1927 in Leoben † 19. Juli 2012 in Innsbruck) war ein österreichischer Journalist und Historiker. Er ist einer der Pioniere des investigativen Journalismus. Als zentrale Forschungsmethode verwendete Peis die systematische Befragung von Zeitzeugen (oral history). Peis lebt zuletzt in Innsbruck.

In den 1950-er Jahren stellte Peis sich mit seiner Reportage Zieh' dich aus, Georg Elser! gegen die herrschende Meinung der traditionellen Geschichtsforschung, die das Bürgerbräuattentat damals noch als Selbstinszenierung der Nationalsozialisten und Georg Elser als deren Werkzeug einschätzte. Die Georg-Elser-Forschung hat die damaligen Rechercheergebnisse von Peis inzwischen voll und ganz bestätigt.

  • Als 17-Jähriger wurde er zum Volkssturm eingezogen. Er verbrachte zehn Monate in Kriegsgefangenschaft. Im Rahmen eines amerikanischen Umerziehungsprogramms kam er zu einer Journalistenschule in München unter Leitung Erich Kästners. Von dort wurde er als Beobachter zu den Nürnberger Prozessen delegiert.
  • Als jüngster Journalist (19) bei den Nürnberger Prozessen beobachtete Peis in der Nacht zum 16.10.1946 von einer Dachluke aus die Hinrichtung der zum Tode verurteilten Hauptkriegsverbrecher. Mit einem 1-stündigen Vorsprung gegenüber den anderen achthundert Reportern meldete er als erster die in größter Geheimhaltung vollzogene Hinrichtung von Ribbentrop, Keitel und acht anderen Verurteilten.
  • 1951 erschien in der "Revue" seine Reportage "Hinter den Mauern von Spandau". Seine detaillierten Informationen aus dem Gefängnis in Berlin-Spandau und seine Fotos, u.a. von Rudolf Hess und Albert Speer, gingen um die ganze Welt.
  • 1952 spürte Peis den ehemaligen SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks auf, der unter falschem Namen in Hamburg untergetaucht war. Er hatte ihn bereits bei den Nürnberger Prozessen kennengelernt und dessen Aussage zum Überfall auf den Sender Gleiwitz zunächst für eine Propagandalüge der Alliierten gehalten.
  • 1958 erschien in New York sein Buch "Hitler's Spies and Saboteurs", das er gemeinsam mit Charles Wighton geschrieben hatte. Es enthüllte geheime Landungs- und Spionageunternehmen der deutschen Abwehr in den Vereinigten Staaten.
  • 1959 ging seine Serie "I was Hitler's Secret Lover" um die Welt. Peis hatte über Hitlers Schwester Paula, die in Berchtesgaden unter dem Namen Paula Wolf lebte, die Spur zu Hitlers heimlicher Geliebten Maria Reiter gefunden. Die von ihm entdeckten Liebesbriefe Hitlers sind - im Gegensatz zu den 1983 vom "Stern" veröffentlichten Hitler-Tagebüchern - als authentisch anerkannt.
  • Ende 1959 - zwanzig Jahre nach dem Bürgerbräuattentat - veröffentlichte Peis unter dem Titel Zieh' dich aus, Georg Elser! eine groß aufgemachte 8-teilige Serie über Georg Elser in der Wochenzeitung "Bild am Sonntag". Peis stellte sich gegen die herrschende Meinung der traditionellen Geschichtsforschung, die das Bürgerbräuattentat damals noch als Selbstinszenierung der Nationalsozialisten und Georg Elser als deren Werkzeug einschätzte. Die Georg-Elser-Forschung hat die damaligen Rechercheergebnisse von Peis inzwischen voll und ganz bestätigt. Hintergrundinformationen: Ich musste sie nur finden.
  • 1960 erschien seine Biografie von Alfred Naujocks unter dem Titel "The Man Who Started The War". Das Buch erschien zunächst in London, wurde aber auch in USA, Kanada, Frankreich, Südamerika und Japan ein Verkaufserfolg. Für eine deutsche Ausgabe dieses Zeitdokuments hat sich bis heute kein Verleger gefunden. Naujocks berichtet in diesem Buch auch von seiner Rolle beim Venlo-Zwischenfall, der in einem Zusammenhang mit Elser steht.
  • In der 60-er Jahren schrieb Peis Kinderbücher, die von einem Tiroler Jungen namens Mario handelten. Mit einer 12-teiligen Fernsehserie "Mario" gelang Peis als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent ein internationaler Filmerfolg. - Seine neue Karriere als Opernsänger - nach seinem Mailänder Gesangstudium bei Maestro Apollo Granforte war Peis u.a. im ORF als Othello zu hören - endete jedoch nach einer missglückten Halsoperation.
  • 1976 enttarnte Peis in seinem in London erschienenen Buch "The Mirror of Deception" einen deutschen Doppelspion, der die deutsche Abwehr von Großbritannien aus jahrelang mit Falschmeldungen versorgt hatte. Dieses Buch erschien im selben Jahr auch in Deutschland, allerdings unter dem Pseudonym Günter Alexander (die beiden Vornamen von Peis) und dem Titel "So ging Deutschland in die Falle". 1981 wurde das Buch neu aufgelegt, diesmal unter seinem richtigen Namen und dem Titel "Spiegel der Täuschung".
  • 1995 legte Peis im "Focus" eine Theorie über die Ermordung von Georg Elser vor, derzufolge der von Sigismund Payne Best im Jahr 1945 entdeckte Befehl des Gestapo-Chefs Heinrich Müller zur Liquidierung Elsers eine Fälschung sei.
  • 1999 meldete er sich zum 60. Jahrestag des Elser-Attentats mit einem Brief, in dem er seine Sicht zu Georg Elser, zu seiner eigenen Person sowie zur Elser-Forschung darstellte.

Die Angaben über Günter Peis basieren weitgehend auf einer 1995 erschienenen 15-seitigen Reportage von Dr. Lothar Höbelt, Assistenzprofessor am Institut für Geschichte der Universität Wien, unter dem Titel "Günter Peis, Journalist und Historiker, 'Fact-Finder' der Zeitgeschichte" in: Das Fenster Heft 59 S. 5691 ff, Innsbruck 1995.

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