Schriftwechsel Maria Elser - Martin Niemöller

Am 13. Februar 1946 bat Maria Elser, die Mutter des Widerstandskämpfers, Martin Niemöller in einem Brief um Informationen über ihren Sohn:

Beglaubigte Abschrift
Königsbronn 13.Feb.46
Sehr geehrter Herr Pastor Niemöller!

Unterzeichnete Frau Marie Elser möchte Sie bitten um Auskunft über meinen Sohn Georg Elser der den Anschlag auf Adolf Hitler am 9.Nov.39 gemacht hat. Ich habe in einer Zeitung gelesen, daß Sie Herr Pastor Niemöller mit meinem Sohn in Dachau beisamen waren. Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir nur eine Kleinigkeit über Ihn schreiben könnten. Ich habe seit 39 nichts mehr von Ihm gehört. Als Mutter ist es doch meine Pflicht nach Ihm zu fanden. Im Rundfunk ist in den letzten Tagen etwas über meinen Sohn gekomen aber nicht ob er noch lebt?

Für Ihre Mühe danke ich Ihnen im voraus.

Hochachtungsvoll Grüßt

Marie Elser

Königsbronn
Sumpfwiesenstr.371
bei Heidenheim

Am 23. Februar 1946 bat sie Martin Niemöller nochmals um Informationen über ihren Sohn, insbesondere, ob er noch lebt. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass Georg Elser kein Mitglied der SS war:

Elser/Niemöller 23.2.1946
Quelle: Staatsarchiv München, Staatsanwaltschaften 34475/1,2

Am 23. März 1946 antwortete Martin Niemöller, dass Georg Elser mit Sicherheit nicht mehr am Leben sei. Er erwähnte seine SS-Unterscharführer-Hypothese nicht mehr und wies zum Thema SS darauf hin, dass er lediglich Informationen aus dritter Hand habe:

Dass Ihr Sohn zur SS gehört habe ist mir schon in Oranienburg 1940 wie auch später in Dachau von SS-Angehörigen mitgeteilt worden. Er verkehrte mit ihnen auch durchaus kameradschaftlich und stand auf Du und Du mit ihnen. Ich selber kann hier nur Erfahrenes berichten. Er wurde in seiner Gefangenschaft bevorzugt behandelt, bekam SS-Kost, hatte einen eigenen Radioapparat in seiner Zelle und bewohnte nicht eine einzelne Zelle, wie die anderen, sondern mehrere Zellen auf einmal, zwischen denen zum Teil die Wände entfernt waren. Es war ihm bereits in Oranienburg eine Kunsttischlerwerkstatt eingerichtet, in der er arbeitete und eine gleiche Einrichtung wurde bei seiner Überführung nach Dachau im Jahre 1944 getroffen. Er wurde aber von den übrigen Gefangenen sorgfältig ferngehalten und hatte ständig anfangs zwei, später in Dachau vielleicht nur noch einen (?) SS-Wachposten in bezw. vor der Zelle. Ich persönlich hatte ebenso wenig wie irgend ein anderer Gefangener Erlaubnis, mit ihm zu sprechen, traf ihn aber einmal in einem unbewachten Augenblick in der Wachstube des Zellenbaues in Dachau, wo wir aber nicht von dem Attentat oder den Begleitumständen miteinander gesprochen haben. Er sagte mir damals nur, dass er keine Verbindung mit seinen Angehörigen habe, dass aber seine Frau mein Buch "Vom U-Boot zur Kanzel" gelesen hätte.

Niemöller/Elser 23.3.1946
Quelle: Staatsarchiv München, Staatsanwaltschaften 34475/1,2

Am 20. April 1946 antwortete Maria Elser. Sie dementierte nochmals die SS-Mitgliedschaft Elsers. Sie habe gehört, dass ihr Sohn Einzeltäter war, aber einen Verbindungsmann gehabt habe, der ihm Einlass in den Bürgerbräukeller verschafft habe. Dieser habe ihn in den letzten Stunden verraten, woraufhin das Attentat zu Hitlers Gunsten umgedreht worden sei:

Elser/Niemöller 20.4.1946
Quelle: Staatsarchiv München, Staatsanwaltschaften 34475/1,2


SS-Dienstgrade

Martin Niemöller: SS-Unterscharführer Georg Elser
Martin Niemöller: Angaben für die Münchener Ermittlungen
Martin Niemöller: Das aufgebrochene Tor
Ulrich Renz: Der Fall Niemöller
Georg Elsers Ermordung