Pressespiegel zum Denkmal, das am 8. November 2009 enthüllt wurde
Enthüllung der Elser-Büste des Radolfszeller Bildhauers Markus Daum am 8.11.2009 in Gegenwart von Elsers
Schwiegertochter Isolde Bühl im Wessenberg-Garten. Hier wurde Elser wenige Meter vom Grenzzaun entfernt
genau siebzig Jahre zuvor von Zöllnern gefasst, als er in dies Schweiz fliehen wollte. Museumsdirektor Tobias Engelsing
und der emeritierte Konstanzer Geschichtsprofessor Lothar Burchardt sprachen bei der Gedenkfeier
vor hunderten Gästen von einem mutigen Einzelkämpfer, der in einer gleichgeschalteten Gesellschaft
als einer der wenigen gegen den Terror etwas zu unternehmen versucht habe.
Fotos v.l.n.r.: Siegmund Kopitzki, Olli Hanser (www.suedkurier.de)
Mahnzeichen für den Hitler-Attentäter. Foto: Ursula Benkö, Rosgartenmuseum.
Erster Entwurf der Elser-Büste
VON DR. TOBIAS ENGELSING
Es gibt ein Bild vom ersten Entwurf des Kopfes zum Konstanzer Mahnzeichen, gestaltet vom Bildhauer Markus Daum,
Radolfzell, der den vom Gemeinderat ausgelobten Künstlerwettbewerb gewonnen hat.
Der Guss des Bronzekopfs in einer Basler Kunstgießerei findet in Kürze statt, die Planungen vor Ort laufen vorhabengemäß.
Das Mahnzeichen wird am 8.11.2009 vormittags direkt am Ort von Elsers damaliger Festnahme im Garten des
Wessenberg-Sozialzentrums an der Schweizer Grenze enthüllt.
Darüberhinaus gedenken wir im Rahmen unserer
Sonderausstellung
"Sommer '39 - Alltagsleben am Anfang der Katastrophe"
(bis 22. November 2009) auch der Konstanzer Jahre von Georg Elser. Im Begleitkatalog ist ein ausführlicher Beitrag
über Elsers Konstanzer Jahre und seine Festnahme mit einigen neuen Erkenntnissen enthalten.
Der Autor ist Direktor der Städtischen Museen in Konstanz
Rat stimmt Mahnzeichen für Georg Elser zu
Konstanz bekommt ein Georg-Elser-Denkmal. Der Gemeinderat stimmte am späten Donnerstagabend
dem Votum der Expertenjury zu. Der Radolfzeller Bildhauer Markus Daum wurde mit der Gestaltung des Mahnzeichens
beauftragt. In einer Gedenkfeier am 8. November soll das Kunstwerk enthüllt werden.
VON MICHAEL LÜNSTROTH
Modell des geplanten Elser-Denkmals
Konstanz. Als der Sieger am späten Donnerstagabend im Gemeinderat verkündet wurde, war eben
jener längst nicht mehr vor Ort. "Der Künstler
Markus Daum
lässt sich entschuldigen, weil er noch
einen anderen Termin hatte", erklärte Museumschef Tobias Engelsing.
Offensichtlich hatte Daum
die Diskussionsfreude des Konstanzer Stadtparlaments unterschätzt. Aufgrund der langen Tagesordnung mit
den gewichtigen Themen Klinikum und Konzerthaus verschob sich der Punkt "Mahnzeichen für Johann Georg Elser"
Stund um Stund – und am Ende blieben nur noch Engelsing und Ute Hübner vom Hermann-Hesse-Höri-Museum
aus der Expertenjury übrig.
Sie erlebten jedoch, dass ihre Juryarbeit fraktionsübergreifend gelobt wurde. Zum Beispiel von
Alexander Stiegeler (Freie Wähler), der die Arbeit der Jury "sehr gut" nannte. "Ich bin stolz
darauf, dass Konstanz diesem mutigen Mann ein Mahnzeichen setzt", sagte Stiegeler weiter.
Erleichtert zeigte sich auch Brigitte Leipold (SPD): "Das ist ein gutes Denkmal an der richtigen
Stelle. Ich bin froh, dass wir jetzt etwas machen, für das wir uns nicht schämen müssen", so die
Sozialdemokratin.
Selbst der einstige Kritiker des Verfahrens, Peter Müller-Neff (Freie Grüne Liste)
zeigte sich versöhnt: "Es stand ja einiges zwischen uns", sagte er an den Museumschef
Engelsing gewandt, "aber die Jury hat den, auch aus unserer Sicht, mit Abstand besten Entwurf
gefunden. Markus Daum hat sich engagiert dem Thema gewidmet." Zustimmung gab es auch von der CDU.
Zudem merkte Wolfgang Müller-Fehrenbach an, dass die zusätzlichen Kosten auf jeden Fall von der Stadt
übernommen werden sollten. "Das ist auch ein Zeichen des Bekenntnis zu Georg Elser und seinem Mut",
so Müller-Fehrenbach.
In zwei Sitzungen hatte sich diese achtköpfige Jury von sechs eingereichten Arbeiten für die des
Radolfzellers Bildhauers Markus Daum entschieden. "Der Künstler hat sich ganz bemerkenswert und
An der Schwedenschanze wurde Elser am 8.11.1939 festgenommen.
Grafik: Orlowski
intensiv mit der Persönlichkeit Georg Elser auseinander gesetzt. Er kombiniert die schlichte Formsprache
des 21. Jahrhunderts im Betonsockel mit Anklängen an das 20. Jahrhundert im Porträtkopf.
Markus Daum hat die Jury mit seinem Entwurf komplett überzeugt", sagte Tobias Engelsing.
Diesem Votum hat sich der Gemeinderat nun einstimmig angeschlossen. Ebenso dem Antrag auf weitere 13 000 Euro.
Insgesamt liegt das Budget für das Denkmal dann bei 38 000 Euro. Eingeschlossen sind hier aber sowohl
die Wettbewerbskosten, das Künstlerhonorar als auch das geplante Begleitprogramm zur Eröffnung des
Elser-Mahnzeichens am 8. November dieses Jahres.
An diesem Tag jährt sich das Attentat auf Adolf Hitler zum 70.Mal – ebenso die Festnahme Georg Elsers
an der Schwedenschanze nahe des Emmishofer Zolls. Bei der geplanten Gedenkfeier sollen auch Angehörige von
Georg Elser anwesend sein. Weitere Elser-Denkmale gibt es bereits unter anderem in Berlin, Königsbronn,
Heidenheim und Freiburg.
Bürger können spenden
Nach dem einstimmigen Votum des Gemeinderats für den Portrait-Entwurf des Bildhauers Markus Daum
fällte Stadtrat und Gastronom Anselm Venedey eine spontane Entscheidung: Als Wirt des Lokals, das
nach dem liberalen letzten Konstanzer Bistumsverweser, Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg, benannt ist,
stiftete Venedey 500 Euro für das Mahnzeichen und die geplante Ausstellung des Rosgartenmuseums.
In der gleichen Ratssitzung hatte der Konstanzer Ulrich Motz während der Bürgerfragestunde bereits dazu
aufgerufen, bürgerschaftlich für das Mahnzeichen zu stiften. Diese Möglichkeit besteht weiter:
Bürger, die sich dem Gedenken an Elser verbunden fühlen, können einen Beitrag leisten,
Empfänger: Stadt Konstanz, Stichwort "Elser", Sparkasse Konstanz BLZ 690 500 01,
Konto Nr. 71886, Haushaltsstelle 1.3210.177 000. Die Stadt stellt den Stiftern eine Spendenbescheinigung aus .
Museumsdirektor Tobias Engelsing kann mit der Vorbereitung des Künstlerwettbewerbs
für das Mahnzeichen für den Hitler-Attentäter Johann Georg Elser beginnen. Einstimmig unterstützten
die Stadträte hier die Vorschläge des Museumschefs.
VON MICHAEL LÜNSTROTH
Konstanz. Museumsdirektor Tobias Engelsing kann mit der Vorbereitung des Künstlerwettbewerbs für
das Mahnzeichen für den Hitler-Attentäter Johann Georg Elser beginnen. Das ist das Ergebnis von Beratungen
im Haupt- und Finanzausschuss (HFA). Einstimmig unterstützten die Konstanzer Stadträte hier die Vorschläge
des Museumschefs. Klar ist jetzt auch: Das Denkmal wird an der
Schwedenschanze
stehen, dem historischen
Ort der Festnahme Georg Elsers am 8. November 1939. Den möglichen Alternativstandort am
Georg-Elser-Platz
in Petershausen haben die Ausschuss-Mitglieder deutlich abgelehnt.
Als nächster Schritt wird nun eine Jury berufen, die den Siegerentwurf des Künstlerwettbewerbs küren soll.
Auf Vorschlag von Tobias Engelsing sitzen darin unter anderem: Michael Günther, Vorsitzender des Konstanzer
Kunstvereins, Dorena Raggenbass, Kreuzlinger Kulturstadträtin, Norbert Müller, Münsterbaumeister
und Beauftragter an der Universität für Kunst am Bau, und Lothar Burchhardt, Historiker von der
Universität Konstanz. Aufgefüllt wird das Gremium von der Verwaltungsseite mit Kulturbürgermeister
Claus Boldt, Tobias Engelsing und dem Leiter des Stadtarchivs, Jürgen Klöckler. Diese
Jury wird über die Künstlerentwürfe beraten und ihre Favoriten dann dem Gemeinderat zur Entscheidung
vorlegen.
In seiner Vorlage zur Sitzung hatte Engelsing einige Vorgaben zu dem Entwurf gemacht. Eine
Porträtbüste sollte es sein im Bronzeguss und das Ganze "auf einer Steinstele mit stabilem Fundament".
Wie das jedoch konkret aussehen soll, das wolle man den Künstlern überlassen, sagte der Museumschef
in der Ausschuss-Sitzung. Das Mahnzeichen soll am 8. November 2009, dem 70. Jahrestag von Elsers Festnahme
an der Schwedenschanze, enthüllt werden.
Bemerkenswert an der Sitzung war zudem, dass der eilends gestellte Antrag der Freien Grüne Liste,
auf weitere Beratungen zu dem Thema im Kulturausschuss, keinerlei Erwähnung mehr fand. Inge Egler
(FGL) sprach sich vielmehr deutlich für die Vorschläge der Verwaltung aus. Von Kritik und Unbehagen
darüber, dass die Beratungen im HFA und nicht im Kulturausschuss erfolgten, war keine Rede.
Antragssteller und Parteifreund Peter Müller-Neff könnte sich dadurch durchaus düpiert fühlen. Hatte er
sich doch besonders empört darüber gezeigt, dass die Entscheidung dem Kulturausschuss entrissen wurde.
Nach dieser Entscheidung kommentierte Müller-Neff süffisant: "Jetzt kann man auch alle Kulturthemen
im HFA behandeln, dann geht es immer schneller und die Kulturausschuss-Mitglieder haben eine Sitzung weniger."
Die Diskussionen um das Georg-Elser-Denkmal in Konstanz gehen weiter: Die Fraktion der Freien Grünen Liste (FGL)
hat beantragt, das Thema gesondert in einer gemeinsamen Sitzung des Kulturausschuss und des Technischen und
Umweltausschuss am 4. Dezember zu beraten.
Konstanz (lün) Die Diskussionen um das Georg-Elser-Denkmal in Konstanz gehen weiter: Die Fraktion der Freien Grünen
Liste (FGL) hat beantragt, das Thema gesondert in einer gemeinsamen Sitzung des Kulturausschuss und des
Technischen und Umweltausschuss am 4. Dezember zu beraten. Für die FGL ist die heutige Beratung (16 Uhr, Ratssaal)
im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) der falsche Ort, um über das geplante Mahnzeichen zu diskutieren.
Eine inhaltliche Debatte müsse demnach im Kulturausschuss geführt werden. Die Verwaltung hatte das Thema
auf die Tagesordnung des HFA gesetzt, um das Verfahren und einen möglichen Künstlerwettbewerb schnell beginnen zu
können. Mit dem neuen Antrag sieht die FGL das Zeitargument ausgehebelt. Schließlich könne der Gemeinderat
nach den Vorschlägen der Grünen abschließend im Dezember beraten.
Kritische Punkte aus Sicht der FGL sind noch: "Der Standort ist zu diskutieren (möglich sind derzeit:
der historische Ort von Elsers Festnahme an der
Schwedenschanze
oder der
Georg-Elser-Platz
in Petershausen, d. Red.).
Muss es eine Büste wie in Berlin sein? Sollten in einem Wettbewerb nicht auch Alternativen zur allein
vorgeschlagenen Portraitbüste erwünscht sein? Welche Jurymitglieder werden berufen in das Wettbewerbsgremium?",
heißt es in dem Antrag der von den beiden Stadträten Werner Allweiss und Peter Müller-Neff unterschrieben ist.
Sie wünschen sich insgesamt ein transparentes Verfahren und eine offene Diskussion.
Museumsdirektor Tobias
Engelsing hat in der Vorlage zur heutigen HFA-Sitzung bereits Vorgaben für das zu errichtende Mahnzeichen
gemacht: es soll ein Bronzeguss auf einer Steinstele werden. Eine Jury aus "historisch-wissenschaftlich,
künstlerisch und kunsthistorisch kompetenten" Personen soll dann den Siegerentwurf ermitteln. Wer
letztlich in dieser Jury sitzt, darüber will der Museumschef entscheiden. Nun prescht Engelsing in
dieser Angelegenheit vor und wird dabei von Kulturbürgermeister Claus Boldt (CDU) unterstützt. Auch er war
gegen weitere Beratungen zum Thema im Kulturausschuss. Vielmehr sei jetzt eine schnelle Entscheidung gefordert, so Boldt.
Unterdessen hat auch die SPD-Fraktion einen Antrag zum Thema gestellt. Die Verleihung des Georg-Elser-Preises,
der alle zwei Jahre für Zivilcourage verliehen wird, soll im kommenden Jahr in Konstanz stattfinden. Der
Preis ist mit 5000 Euro dotiert und soll, nach SPD-Antrag, aus der Stadtkasse gezahlt werden. Initiator
dieser Auszeichnung sind die Georg-Elser-Arbeitskreise.
Was Berlin schon hat, soll Konstanz auch bald bekommen: Ein Mahnzeichen für den Hitler-Attentäter Johann Georg Elser. Am Donnerstag wird das Thema im
Haupt- und Finanzausschuss behandelt.
In Berlin wurde
die Büste des Hitler-Attentäters
bereits Ende September enthüllt. In Konstanz wird am Donnerstag über die
Errichtung eines Mahnzeichens diskutiert. Bild: Archiv
Konstanz – Die Spuren, die Hitler-Attentäter Georg Elser in Konstanz hinterlassen hat, sollen deutlicher
gemacht werden. In diesem Punkt sind sich Verwaltung und Gemeinderat einig. Darüber hinaus gibt es einige Punkte,
die strittig sind. Bereits in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses äußerten einige Stadträten ihren
Unmut über die Entscheidung der Verwaltung, das Thema im Haupt- und Finanzausschuss und nicht im Kulturausschuss zu
beraten. Eine Errichtung eines solchen Denkmals sei doch eine kulturelle Frage und gehöre in den
Kulturausschuss, meinte etwa Peter Müller-Neff (FGL).
Tatsächlich habe diese Entscheidung gute Gründe, sagt Tobias Engelsing, Leiter der städtischen Museen.
"Wenn wir zum Jahrestag am 8. November 2009 das Denkmal enthüllen wollen, dann drängt jetzt die
Zeit. Wir brauchen möglichst schnell einen beschließenden Ausschuss", so Engelsing.
Der Kulturausschuss kann lediglich Beschlüsse empfehlen. Engelsing hat sich umgehört bei
vergleichbaren Denkmal-Initiativen und um eine Einschätzung des zeitlichen Rahmens gebeten. Die
Antwort sei unisono gewesen: Ein Jahr ist ziemlich knapp. Möglicherweise erinnerte sich der Museumsdirektor
auch an die Diskussionen, die im Jahr 2003 um die Gedenkstele für die nach Gurs deportierten Konstanzer
Juden geführt wurde. Damals hatten lange Debatten die Umsetzung hinausgezögert.
Nach den aktuellen Plänen sind derzeit 25000 Euro für die Errichtung des Mahnzeichens im
Haushalt vorgesehen. Davon soll aber nicht nur der Künstler, sondern auch ein vorgeschalteter
kleiner Wettbewerb und ein mögliches Rahmenprogramm zur Denkmals-Eröffnung gezahlt werden.
Tobias Engelsing schlägt in seiner Vorlage zur Sitzung am Donnerstag (16 Uhr, Ratssaal) einen begrenzten
Künstlerwettbewerb vor. Begrenzt auch deshalb, um den Kosten- und Zeitaufwand gering zu halten.
Und weil es künstlerische Vorgaben gibt: es soll ein Bronzeguss auf einer Steinstele werden.
Eine Jury aus "historisch-wissenschaftlich, künstlerisch und kunsthistorisch kompetenten"
Personen soll dann den Siegerentwurf ermitteln. Die Ergebnisse der Jury-Arbeit werden anschließend
dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt. Wer letztlich in dieser Jury sitzen soll ist noch offen.
Klar ist nur: Tobias Engelsing will den Wettbewerb vorbereiten und federführend durchführen.
Unklar ist noch der Ort des Mahnzeichens. Während der Museumsleiter weiter für den historischen
Ort von Elsers Festnahme an der Schwedenschanze kurz vor der Schweizer Grenze plädiert, gibt
es innerhalb der Verwaltung auch Stimmen, die das Denkmal am Georg-Elser-Platz in
Peterhausen favorisieren würden.
Tobias Engelsing, Leiter der Konstanzer Städtischen Museen: Konstanz will Georg-Elser-Büste errichten
Zum 70. Jahrestag am Ort seiner Festnahme an der Schweizer Grenze
Neben Berlin will auch Konstanz dem Hitler-Attentäter Georg Elser ein offizielles
Denkmal setzen. Am Ort seiner
Festnahme an der Schweizer Grenze
soll am 8. November 2009, zum 70.
Jahrestag des gescheiterten Anschlags, eine Büste des Tischlergesellen errichtet werden, sagte der
Leiter der Konstanzer Städtischen Museen, Tobias Engelsing, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin habe fachliche Beratung zugesagt.
Der Bauernsohn aus Königsbronn (Kreis Heidenheim) hatte von 1925 bis 1932 in Konstanz und Umgebung gelebt und gearbeitet.
In Konstanz erinnern bisher nur eine unscheinbare Tafel am Festnahmeort und ein abgelegener Platz in einem
anderen Stadtviertel an Elser.
Die Forschung zum Widerstand im Nationalsozialismus räumt dem Einzeltäter
Elser nach Engelsings Angaben aber wachsende Bedeutung ein. Er habe aus der Überzeugung heraus gehandelt,
dass Hitler den Krieg bedeutete. Deshalb solle an den konkreten Menschen und dessen Mut gegen die
Übermacht eines Diktators erinnert werden, betonte der Museumschef.
Quelle: Deutsche Presse-Agentur (dpa) 4.11.2008
Konstanz: Echtes Denkmal für Georg Elser gefordert
Portraitbüste in Bronze am Ort der Festnahme an der Schwedenschanze
Der im KZ Dachau hingerichtete Widerstandskämpfer Georg Elser soll in Konstanz endlich
eine angemessene öffentliche Würdigung erfahren. Museumschef Tobias Engelsing und Stadtarchivar
Jürgen Klöckler schlagen eine Portraitbüste vor, die an der Schwedenschanze aufgestellt werden könnte.
Dort war Elser am Abend des 8. November 1939 gefasst und inhaftiert worden, als er in die Schweiz fliehen wollte.
VON JÖRG-PETER RAU
Eine bescheidene Tafel an der Schwedenschanze erinnert an den Widerstandskämpfer gegen die
Nazi-Diktatur. Johann Georg Elser (1903-1945) lebte zwischen 1925 und 1932 in Konstanz,
von hier aus wollte er nach dem missglückten Hitler-Attentat in die Schweiz fliehen.
Bild: Rau
Konstanz - Er wollte den Hitlergruß nicht machen, konnte den Führerstaat nicht leiden, wusste, dass die braune
Diktatur direkt in den Krieg führen würde und lebte von 1925 bis 1932 in Konstanz. ...
Zwar kein großer Sohn der Stadt, aber dennoch untrennbar mit Konstanz verbunden, spielt Georg Elser im Leben am
Bodensee trotz des rührigen Wirkens eines Georg-Elser-Arbeitskreises um SPD-Stadträtin Sonja Hotz heute keine
große Rolle.
Das wollen Tobias Engelsing, der Chef des Rosgartenmuseums, und Jürgen Klöckler, der Leiter des Stadtarchivs,
nun ändern. Sie bitten den Stadtkämmerer, im Haushalt für 2009 jene 25000 Euro einzuplanen, mit denen ein Denkmal für
Elser, eine kleine Publikation sowie ein Begleitprogramm, etwa für Schulen, möglich würde. Aus den Fraktionen im
Rat habe er bereits viele positive Signale bekommen, sagte Engelsing auf Anfrage.
Das Denkmal könnte aus einer Portraitbüste in Bronze bestehen, jener Form der Erinnerung, die seit Jahrhunderten
der Geschichte ein Gesicht geben soll. Rolf Brem aus Luzern, der als Bildhauer einiges Renommee genießt, hat
Engelsing schon einmal angefragt - der hochbetagte Künstler würde das Werk schaffen. Bis zum 70. Jahrestag des
Attentats am 8. November 2009 könnte die Büste auf einem Steinsockel an der Schwedenschanze errichtet sein:
Jörg-Peter Rau
Wichtiger Vorstoß
VON JÖRG-PETER RAU
Georg wer? Elser? Während sich das politische Berlin längst mit dem Widerstandskämpfer gegen den
Nazi-Terror beschäftigt, hat Konstanz für eine wichtige Figur der Stadtgeschichte lediglich die Benennung
eines eher gesichtslosen Platzes und eine unauffällige Hinweistafel übrig. Daran muss sich etwas ändern,
und zwar ganz unabhängig davon, dass im Jahr 2009 die 70. Wiederkehr des Attentats-Versuchs begangen wird.
Museumschef Tobias Engelsing und Stadtarchivar Jürgen Klöckler haben für ihren Vorstoß alle Unterstützung
verdient. Statt um die fürwahr kläglichen Etats ihrer eigenen Häuser zu kämpfen, verwenden sie sich hier für
eine Sache der ganzen Bürgergemeinde. Und wenn Berlin ein Elser-Denkmal bekommt, Konstanz es aber bei einem
Täfelchen an der Schwedenschanze belässt, drohen nach der Debatte ums Scholz-Grab erneut Negativschlagzeilen
aus der ganzen Republik.
Ob eine Portraitbüste nun die einzige mögliche Lösung für ein Denkmal ist, sei dahingestellt. Eine sinnvolle
Würdigung ist es aber allemal: Elser bekäme ein Gesicht - an jener Stelle, an der sein Todesurteil durch
eifrige Grenzwächter de facto bereits gefällt wurde. 25000 Euro sind eine angemessene Summe für ein angemessenes,
dauerhaftes Gedenken. Und wer weiß, vielleicht finden sich in dieser reichen, geschichtsbewussten und im Kern
doch liberalen Stadt auch einige Mäzene.
Direkt an der Schweizer Grenze, im Garten des Wessenberghauses (heute eine sozialpädagogische Einrichtung)
war Elser auf der Flucht in Richtung Schweiz gefasst worden. Kurz darauf ging die Bombe hoch, und Elser
wurde es zum tödlichen Schicksal, dass er neben einer Beißzange für den Zaun eine unbeschriftete Ansichtskarte
des Tatorts bei sich trug.
An dem geschichtsträchtigen Ort erinnert heute nur eine schlichte Tafel an einen weithin unterschätzten
Widerstandskämpfer. Sie war in den 80er Jahren auf Betreiben der SPD aufgestellt worden und gibt in knappen
Worten wieder, was an dieser Stelle geschehen ist. Touristen auch mit gezieltem historischem Interesse
verirren sich kaum an die Stelle, die auf keiner der neuen Info-Stelen verzeichnet ist.
Im Rosgartenmuseum
selbst wird Elser dagegen gewürdigt, und auch das Stadtarchiv hat zusammen mit Studenten der Uni einiges
zur Klärung der Vorgänge von damals beitragen können.
In seinem Werben um die Stele verweist Engelsing auch nach Berlin. Dort soll ebenfalls ein Elser-Denkmal
errichtet werden. Hinter dem Vorhaben steht neben der Linkspartei der Dramatiker Rolf Hochhuth ("Der Stellvertreter"),
der in Konstanz auch als Fürsprecher für den Erhalt des Grabes von Wilhelm von Scholz bekannt ist. In einem
Interview mit der Wochenschrift "Freitag" sprach sich Hochhuth dafür aus, ein Denkmal an der Stelle der
ehemaligen Reichskanzlei im Herzen Berlins zu schaffen. Der Konstanzer Erinnerungsort, so stellen es sich
Engelsing und Klöckler vor, könnte gleichzeitig, am 8. November 2009, übergeben werden.
Hinweis zu der im obigen Kommentar erwähnten "Debatte ums Scholz-Grab"
W. von Scholz
Es geht um die von Rolf Hochhuth heftig kritisierte Einebnung des Grabes des Dichters
Wilhelm von Scholz
(1874-1969):
"Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland hat man nie davon gehört, dass
einer anderen Gemeinde irgendwo der Einfall gekommen wäre, das Grab eines Dichters zu vernichten - bis
nun dies aus Konstanz ruchbar wurde!" In den Augen Hochhuths hat der heute nur noch in
Fachkreisen bekannte Wilhelm von Scholz "weitaus die bedeutendste Kulturgeschichte der Bodenseelandschaft
geschrieben". (Zitate von Hochhuth laut Stuttgarter Zeitung vom 31.12.2007)
Wilhelm von Scholz starb 1969 in Konstanz und wurde auf dem Allmannsdorfer Friedhof neben seinem
im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn begraben. Die Familie - der Vater war Minister unter Bismarck,
er liegt ebenfalls in Allmannsdorf - bezog 1890 die Villa "Seeheim". Von Scholz reüssierte als
Dramatiker, Romancier und Lyriker. Seine kollaboristische Haltung gegenüber den Mächtigen im Dritten Reich
war oft Gegenstand von Debatten. Die letzte führte dazu, dass der Gemeinderat sich dafür aussprach, die
Frist für die Grabstätte der Familie nicht zu verlängern - gegen den Willen des Scholz-Verwandten Eike-Hans.
(Südkurier Konstanz vom 13.8.2008)