Am 5. April 1945 teilte Heinrich Müller, Chef der Gestapo (Amt IV), von Berlin aus dem Kommandant des
Konzentrationslagers Dachau
mit, wie mit verschiedenen Sonderhäftlingen zu verfahren sei:
Generaloberst Franz Halder, General Georg Thomas, Hjalmar Schacht, der österreichische Ex-Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg
mit Frau und Kind, General Alexander v. Falkenhausen sowie Oberst Borislaw v. Bonin seien dem KZ Dachau zu überstellen und
gut bzw. besonders gut zu behandeln.
Der britische Geheimdienstoffizier Captain Sigismund Payne Best sei ebenfalls nach Dachau zu überstellen, dürfe aber
mit seinem dort bereits befindlichen Kollegen Major Richard Henry Stevens keinen Kontakt aufnehmen können.
Der besondere Schutzhäftling "Eller" (Deckname für Georg Elser) habe bei einem Fliegerangriff tödlich zu
verunglücken. Dazu sei er in absolut unauffälliger Weise beim nächsten Fliegerangriff zu liquidieren. Der Vollzug sei
wie folgt zu melden: "Am ... anlässlich des Terrorangriffs auf ... wurde u.a. der Schutzhäftling 'Eller'
tödlich verletzt."
Dieses Schreiben traf am 9.4.1945 im KZ Dachau ein und wurde noch in derselben Nacht vollstreckt:
Georg Elser wurde gegen 23 Uhr durch Genickschuss getötet. Sein Mörder war, wie im
Münchner Ermittlungsverfahren
zur Aufklärung des Bürgerbräuattentats Anfang der 1950-er Jahre festgestellt wurde, SS-Oberscharführer
Theodor Bongartz.
An einem Abend im April [...] kam der Verwalter des Krematoriums, SS-Oberscharführer Bongartz, zu mir
in meine Wohnstube im Neuen Krematorium. Er sagte mir, wir (Häftlinge vom Krematorium) dürften an diesem
Abend nicht heraus aus dem Krematorium gehen, wenn wir aber Schießen hören, sollen wir mit einer
Tragbahre sofort herauskommen. [...]
So um 23.00 sagte mir Geiger, er habe Schießen gehört. Auch ich hatte dies gehört und forderte deshalb
Geiger und Ziegler auf, mit mir mit einer Tragbahre herauszugehen. Vor dem Krematorium zögerten die beiden
noch, da sie Angst hatten, sind aber dann mit mir langsam zu einer Stelle, wo eine elektrische Taschenlampe
leuchtete, gegangen. [...]
Am Tatort sah ich einen Mann tot auf der Erde liegen, mit dem Gesicht zur Erde. Neben ihm stand der Verwalter
Bongartz. [...] Zugleich sah ich bei dem kleinen eisernen Türchen, das in das Krematoriumsgelände führte, drei
Männer weggehen. Es waren, wie ich bestimmt erkannt habe, drei SS-Offiziere. [...]
Elser hatte einen einzigen Schuss, und zwar einen Genickschuss und war bei unserer Ankunft schon tot. Meiner Ansicht
nach war der Schuss aus unmittelbarster Nähe abgegeben worden. Wir mussten den Elser sofort ins Neue Krematorium
tragen und anschließend sogleich in dem Ofen verbrennen.
Quelle: Zeugenaussage von Emil Mahl, ehemaliger Häftlingskapo im Krematorium des KZ Dachau, Staatsarchiv München unter 'Staatsanwaltschaften 34475/1-5'