Von einem Soldat wird Tapferkeit eingefordert. Zivilcourage hingegen ist die Tapferkeit der Nicht-Soldaten.
Dieser Begriff geht auf Otto von Bismarck zurück.
VON PETER KOBLANK
Das Wort Zivilcourage hat seinen etymologischen Ursprung in den beiden Teilen
Zivil und Courage und bedeutet wörtlich übersetzt
Bürgermut.
Im 16. Jhdt wurde das Fremdwort civil aus der französischen Sprache entlehnt
und bis auf weiteres auch mit einem "c" am Anfang geschrieben. Die Bedeutung war
bürgerlich im Sinne von
verfeinert,
höflich,
umgänglich,
entgegenkommend,
annehmbar.
Das französische civil stammt vom lateinischen
civilis (bürgerlich), das auf dem Substantiv
civis (Bürger)
basiert.
19. Jhdt wurde Civil zu einem Begriff für
bürgerliche Kleidung im Gegensatz zur militärischen Uniform. Heute wird
zivil fast nur noch synonym für
nicht-militärisch verwendet, ein
Zivilist ist ein
Nicht-Soldat.
Einen Anklang an die ursprüngliche Bedeutung finden wir aber noch, wenn jemand annehmbare Preise als zivile Preisen
bezeichnet, sowie in den Worten zivilisiert und Zivilisation.
Courage ist ebenfalls dem Französischen entlehnt. Es bedeutet
Beherztheit,
Mut,
Tapferkeit und ist vom französchen
cur (Herz)
hergeleitet, das wiederum vom lateinischen cor (Herz) abstammt.
Französische Fremdwörter sind in den letzten
Jahren stark auf dem Rückzug. Statt Rendezvous sagt man Date, das Mannequin heißt Model und Courage wird heute
umgangssprachlich einfach nicht mehr verwendet. Das Wort überlebt aber in dem Fachbegriff der
Zivilcourage.
Von einem Soldat wird Tapferkeit eingefordert. So lautet beispielsweise das Gelöbnis der Bundeswehr 1:
Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes
tapfer zu verteidigen.
Dieses Versprechen der Tapferkeit muss jeder Wehrpflichtige geloben und jeder Zeit- oder Berufssoldat schwören.
Zivilcourage - der "Bürgermut" - ist im Gegensatz dazu die Tapferkeit der Nicht-Soldaten. Diesen Begriff
schuf Otto von Bismarck, (* 1815, 1898), genannt der "Eiserne Kanzler",
der Gründer und erster Kanzler des Deutschen Reiches war. Martin Knobbe 2 schreibt hierüber:
Es war ein Montag im Mai, als das Wort Zivilcourage geboren wurde. Pfiffe gellten durch das Parlament, während der
junge Abgeordnete und spätere Reichskanzler seine erste Rede hielt.
Es ging um ein Gesetz über die Rentenbank, gegen das er sich aussprach. Ironisch und fast beleidigend waren seine Worte, die Reaktionen darauf mindestens ebenso harsch.
Später saß der Abgeordnete mit einem älteren Verwandten beim Essen, der meinte: "Du hattest ja ganz Recht, aber so etwas sagt man doch nicht." Der Jüngere antwortete: "Wenn du meiner Meinung warst, hättest du mir beistehen sollen."
Es war der 17. Mai 1847, und die Schmach im Vereinigten preußischen Landtag traf den jungen Abgeordneten Otto von Bismarck so tief, dass er später noch von diesem Erlebnis erzählte. "Mut auf dem Schlachtfeld ist bei uns Gemeingut", meinte er zu seinem Vertrauten Robert von Keudell, "aber Sie werden nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Civilcourage fehlt."
Heute wird unter Zivilcourage ein mutiges Verhalten verstanden, mit dem sich jemand - ohne Rücksicht auf
eventuelle Nachteile - für Werte einsetzt, von denen er überzeugt ist. Dies kann eine politisch
motivierte Handlung gegen die herrschende Meinung, aber auch eine Hilfeleistung bei einem Übergriff
in einer U-Bahn sein.
Die Georg-Elser-Initiativen
verleihen alle zwei Jahre den
Georg-Elser-Preis
an Menschen, die sich durch besondere Zivilcourage und unerschrockenes Handeln gegen die herrschende Staatsgewalt hervorgetan
haben.
1
§ 9 Soldatengesetz, Gelöbnisformel für wehrpflichtige Soldaten
2
Martin Knobbe, Die Tugend der Wächter, in: Stern 31/2005, Hamburg 2005, S.113