Das brennende Reichstags-gebäude sollte die Arbeiterschaft zum Aufstand gegen
die seit vier Wochen amtierende Hitler-Regierung bewegen.
Beseitigung Hitlers und weiterer Mitglieder der NS-Führung durch ein Sprengstoffattentat.
Sichtbar machen, dass nicht alle Deutschen hinter dem Regime standen. Bevölkerung
durch Überzeugungsarbeit über passivem Widerstand und Sabotage zum Sturz des NS-Regimes bewegen.
Staatsstreich mit Beseitigung Hitlers
und Entmachtung der NS-Führung. Beendigung des Krieges.
Aktivitäten:
Brandstiftung im Reichstags-gebäude in Berlin, dessen Plenarsaal und angrenzende Räume
ausbrannten. Wieder-aufbau 1961-73. Umbau und neue Kuppel 1995-99.
Konstruktion und Bau einer Zeitbombe, Beschaffung von Sprengstoff, heimlicher Einbau im
Bürgerbräukeller in München.
Erstellung von Flugblättern, Verbreitung in ganz Deutschland, Anbringen von Parolen an Gebäuden.
Sorgfältig vorbereiteter Staats-streich eines breit angelegten Verschwörer-Netzwerks,
Bombenattentat auf Hitler in Rastenburg.
Erfolgsaussichten:
Keine. Die Tat lieferte den Nationalsozialisten jedoch einen Vorwand für Verhaftungen, Verordnungen und Gesetze, mit denen
sie innerhalb weniger Monate Deutschland in eine Diktatur verwandelten.
Hätte sich Hitler wie in den sechs Jahren davor am 8.11.1939 um 21:20 Uhr im Bürgerbräukeller aufgehalten,
hätte das Attentat den weiteren Lauf der Weltgeschichte - wie auch immer - entscheidend verändert.
Keine ernsthaften Aussichten, in der knappen Zeit bis zur unvermeidlichen Aufdeckung der Gruppe durch
Flugblätter und Parolen einen Sturz des Naziregimes zu bewirken.
Hätte die Zeitbombe Hitler am 20.7.1944 in der Wolfsschanze getötet, wäre der Staatsstreich
wahrscheinlich gelungen, das NS-Regime abgelöst, der Holocaust beendet und der
Krieg verkürzt worden.
Verhaftung:
In flagranti im brennenden Reichstag am 27.2.1933 gegen 21:30 Uhr.
Am Abend des Attentats am 8.11.1939 beim illegalen Grenzübergang in die Schweiz.
Beim Verteilen von Flugblättern am 18.2.1943 in der Universität München.
Nach Scheitern des Staatstreichs am 20.7.1944 durch Wehrmachtsoffiziere.
Vernehmungsakten:
Die Vernehmungsprotokolle der Kriminalpolizei sind Teil der Gerichtsakten. Bundesarchiv Koblenz.
Das Gestapo-Protokoll
wurde 1964 in den Akten des ehemaligen Reichsjustizministeriums entdeckt.
Das Gestapo-Protokoll
lagerte jahrzehnte-lang in der DDR, zuletzt im Stasi-Archiv in Dahlwitz-Hoppegarten und wurde ab 1990 zugänglich.
Erschießung vor Einschaltung der Gestapo.
Geständnis:
Am Abend der Festnahme am 27.2.1933 in der Polizeiwache "Brandenburger Tor".
In der Nacht 13./14.11.1939 in der Gestapo-Leitstelle im Wittelsbacher Palais in München.
Am Morgen des 19.2.1943 in der Gestapo-Leitstelle im Wittelsbacher Palais in München.
-
Haft:
27.2.1933 - 10.1.1934 Untersuchungshaft in Berlin und beim Reichsgericht in Leipzig.
9.11.1939 - 9.4.1945 bei der Gestapo in München und Berlin, im KZ Sachsenhausen und im KZ Dachau.
18. - 22.2.1943 in der Gestapo-Leitstelle im Wittelsbacher Palais in München.
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Tod:
Enthauptung mit der Guillotine in der Richtstätte im Landgericht Leipzig am 10.1.1934
auf Grund des Todesurteils des Reichsgerichts in Leipzig vom 23.12.1933.
Genickschuss im KZ Dachau am 9.4.1945 gegen 23 Uhr durch SS-Oberscharführer Theodor Bongartz auf Grund des
von Heinrich Müller, Chef der Gestapo (Amt IV) in Berlin, am 5.4.1945 angeordneten
Liquidierungsbefehls.
Enthauptung mit der Guillotine im Strafgefängnis München-Stadelheim
am 22.2.1943 gegen 17 Uhr durch Scharfrichter Johann Reichart
auf Grund des um 13:30 Uhr von Dr. Roland Freisler, Präsident des Volksgerichtshofs
verkündeten Todesurteils.
Erschießung am 21.7.1944 um 00:15 Uhr auf Befehl von
Generaloberst Friedrich Fromm im Hof des Bendlerblocks in Berlin.
Historische Aufarbeitung:
Der Reichstagsbrand begünstigte Hitlers Machtergreifung und galt jahrelang als
Selbstinszenierung der Nationalsozialisten. Auch wenn inzwischen die meisten Historiker
van der Lubbe für einen Alleintäter halten, wird weiterhin über angebliche
Drahtzieher spekuliert.
Während die Nazis glaubten, der britische Geheimdienst habe das Attentat organisiert, gingen ihre Gegner
davon aus, die Nazis selbst hätten es inszeniert. Die Alleintäterschaft Elsers konnte erst nach Aufarbeitung
des 1964 entdeckten Gestapo-Protokolls
nachgewiesen werden.
Auf Grund von Briefen, Tage-büchern und Zeitzeugen war von Anfang an eine korrekte Aufarbeitung
möglich.
Das erst seit 1990 zugängliche
Vernehmungsprotokoll
bestätigte die hohe Charakterfestigkeit dieser jungen Widerstandskämpferin.
Auf Grund von Dokumenten, Erinnerungen überlebender Mitverschwörer und anderer Zeitzeugen war von
Anfang an eine korrekte und ausführliche Aufarbeitung möglich.
Frauen der deutschen Geschichte des wiedervereinigten Deutschlands
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Heutige Bewertung:
Sein früher und radikaler Widerstand gegen Hitler gilt als Torheit.
Daher findet er kaum Anerkennung als "echter" Widerstandskämpfer,
gilt aber wegen des Todesurteils als Justizopfer. 2007 hat die Bundesanwaltschaft
das Urteil von 1933 aufgehoben und das Strafverfahren eingestellt.
Inzwischen als Widerstands-kämpfer anerkannt. Die Zulässigkeit des Tyrannenmords wird
nicht mehr in Frage gestellt. Die
8 Toten und 63 Verletzten
des Bürgerbräuattentats werden, da es sich bis auf eine Kellnerin um Hitler-Anhänger handelte,
kaum noch thematisiert.
Ikone des gewaltfreien Widerstands gegen die NS-Diktatur und Synonym für die Weiße Rose. Dass
ihre Aktivitäten keinerlei ernsthafte Erfolgsaussichten hatten, das NS-Regime zu beseitigen, tut der
Wertschätzung keinen Abbruch.
Spätestens seit den 1960-er Jahren besteht weitestgehende Einigkeit darüber, dass der Versuch von
Staatsstreich und Tyrannenmord moralisch gerechtfertigt war. Bedauert wird, dass die Verschwörer sehr viel Zeit
benötigten, um ein erfolg-versprechendes Konzept zu entwickeln.
Marinus van der Lubbe, Sophie Scholl, Georg Elser und Claus von Stauffenberg gehören zu denen, die dem
Dritten Reich nicht nur kritisch gegenüberstanden, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten den vielleicht
aussichtslosen Widerstand gegen das Unrechtsregime unter Einsatz ihres Lebens aufnahmen.