Am 9. November 1939 wurden - zwei Monate nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs - an der niederländisch-deutschen Grenze bei
Venlo zwei Offiziere des britischen Secret Intelligence Service nach Deutschland entführt. Dieses Ereignis ging
als Venlo-Zwischenfall (engl.: Venlo Incident) in die Geschichte ein.
Verhandlungen mit vermeintlichen Hitler-Gegnern in der Wehrmacht
Im Herbst 1939 knüpften sie von den Niederlanden aus Kontakte mit vermeintlichen deutschen
Hitlergegnern in der Wehrmachtsführung. Hinter diesen verbargen sich aber in Wirklichkeit
deutsche Geheimdienstagenten unter Leitung von
Walter Schellenberg.
Die bei mehreren Treffen sowie und über einen den Deutschen ausgehändigten Geheimsender
ausgetauschten Informationen fanden in London Beachtung auf höchster Ebene. Premierminister Neville Chamberlain
und Außenminister Lord Halifax sahen die Chance, dass Hitler von der Wehrmachtsführung beseitigt und
der Krieg schon nach wenigen Monaten wieder beendet werden konnte.
Entführung an der niederländisch-deutschen Grenze
Am 9. November 1939 - einen Tag nach
Georg Elsers
missglücktem Bürgerbräuattentat auf Hitler in München - liefen Stevens und Best
an der niederländisch-deutschen Grenze bei
Venlo einem deutschen
SS-Sonderkommando in eine Falle und wurden nach Deutschland entführt.
Dabei wurde der niederländische Geheimdienstoffizier
Dirk Klop erschossen.
Café Backus an der niederländisch-deutschen Grenze in der Nähe von Venlo,
wo Best und Stevens entführt wurden. Quelle: Sigismund Payne Best, The Venlo Incident, London 1950
Der Venlo-Zwischenfall machte weite Teile des britischen Spionagenetzes in West- und Mitteleuropa nahezu wertlos.
Er führte zum Rücktritt des niederländischen Geheimdienstchefs und lieferte Hitler im Mai 1940 eine
Rechtfertigung
für den Einmarsch in den Niederlanden, deren Neutralität durch die Zusammenarbeit mit dem Secret Service
in Frage gestellt war. Im Informationsheft GB
wurden Insider-Informationen dargestellt, die auf Aussagen von Best und Stevens basierten.
Nach über fünf Jahren deutscher Gefangenschaft wieder frei
Die beiden überlebten ihre über 5-jährige Gefangenschaft in den KZ's Sachsenhausen und Dachau und erlangten im April
1945 in
Südtirol
die Freiheit. Dort entdeckte Best per Zufall den
Schnellbrief
zur Liquidierung Georg Elsers.
Sigismund Payne Best veröffentlichte 1950 seine Memoiren unter dem Titel
The Venlo Incident und verbreitete
in diesem Bestseller eine Reihe falscher Informationen
über Georg Elser.
Geheimakte 'Venlo Incident'
2009 wurde das Dossier
Venlo Incident
des britischen Außenministeriums veröffentlicht und ausgewertet, das ursprünglich bis 2015 gesperrt war. Dieser
35-seitigen Geheimakte ist zu entnehmen, dass die Briten seinerzeit davon ausgingen, es mit echten Hitlergegner zu tun zu haben
und dass von ihrer Seite ernstgemeinte Verhandlungen geführt wurden.