Bei seiner Verhaftung in Konstanz am Abend des 8. November 1939 hatte Georg Elser unter
dem Kragen seiner Jacke ein Abzeichen des kommunistischen Roten Frontkämpferbundes angesteckt.
VON PETER KOBLANK
Der Rote Frontkämpferbund (RFB) war der paramilitärische Kampfverband der Kommunistischen Partei
Deutschlands (KPD) in der Weimarer Republik. Er spielte für die KPD die Rolle, die die SA für die NSDAP hatte.
Der linke RFB, der zu seinen besten Zeiten rund 150.000 Mitglieder hatte, erlangte aber nie die Bedeutung seines
rechten Pendants.
Der RFB wurde 1924 gegründet und 1929 verboten. Ein Teil der Mitglieder agierte nach dem Verbot illegal weiter.
3. Reichstreffen des RFB im Juni 1927 in Berlin. Vorne:
KPD- und RFB-Chef Ernst Thälmann.
Nachdem Ernst Thälmann die Leitung von KPD und RFB übernommen hatte, begann der RFB ab April
1925 seinen Propagandafeldzug und entwickelte sich zur paramilitärisch organisierten Bürgerkriegsarmee
Der RFB ist seiner Zusammensetzung und Führung nach eine rein proletarische und seinen Zielen
und Bestrebungen nach eine revolutionäre Organisation des Klassen-kampfes. Er ist keine
kommunistische Organisation. Er vereinigt neben kommunis-tischen Arbeitern einen verhältnismäßig
großen Prozentsatz parteiloser und politisch anders organisierter Arbeiter. Aber der RFB ist
seinen Bestrebungen nach ein Teil der kommunistischen Gesamtbewegung.
Ernst Thälmann
1. Vorsitzender der Bundesleitung des RFB 1
für Agitation, militaristische Aufmärsche, Straßenkampf und kriegerische Planspiele.
Formal war der RFB ein eingetragener Verein. Tatsächlich aber war er streng hierarchisch gegliedert.
Er bestand aus Gruppen mit in der Regel acht Mann und einem Gruppenführer. Vier Gruppen bildeten einen Zug.
Drei Züge stellten eine Kameradschaft dar. Mehrere Kameradschaften bildeten eine Abteilung, mehrere
Abteilungen eine Ortsgruppe. Mehrere Ortsgruppen schlossen sich zu einem Gau zusammen.
Die Leitung des RFB stand unter der uneingeschränkten Kontrolle der KPD.
Wer Mitglied im RFB war, sympathisierte mit der KPD, war aber nicht unbedingt auch Parteimitglied. Der
von Thälmann genannte große Prozentsatz "politisch anders organisierter Arbeiter"
(siehe Kasten) war allerdings reines Wunschdenken.
Das RFB-Abzeichen
RFB-Abzeichen 1924-1926
RFB-Abzeichen 1928-1929
RFB-Mütze mit RFB-Abzeichen oberhalb einer ab 1926 untersagten roten Kokarde
Im September 1924 begann die Auslieferung der RFB-Abzeichen mit einer geballten Faust an die Mitglieder.
Das runde Bundesabzeichen bestand aus emailliertem Messing und hatte auf der Rückseite eine Federnadel für die Befestigung
an der Kleidung. Der Durchmesser von 1,8 cm entsprach etwa einer heutigen 2-Cent-Münze.
Die vergrößerten Abbildungen der RFB-Bundesabzeichens rechts stammen aus dem 1984 erschienenen Ausstellungskatalog
"Roter Frontkämpferbund 1924-1929" des Armeemuseum der DDR in Dresden.
Jedes Mitglied war verpflichtet, ein Bundesabzeichen zu erwerben und es zur Uniform
zu tragen. Getragen wurde es vorn an der Mütze.
Am 1. März 1926 erhielt das Bundesabzeichen Musterschutz. Im Zusammenhang damit übertrug die Bundesleitung
das Recht zur Alleinherstellung des Bundesabzeichens der Firma Hermann Aurich in Dresden.
Der Preis für ein Abzeichen betrug zunächst 50 Pfennig und ab Mai 1928 55 Pfennig.
Die 3. Reichskonferenz (März 1926) fasste den Beschluß, dass an der Uniform nur das Bundesabzeichen
zu tragen ist. Damit wurde das seit 1925 verstärkt aufgetretene Dekorieren der Uniform mit
verschiedensten Abzeichen und Broschen sowie mit roten Kokarden untersagt.
Auf Beschluss der 5. Reichskonferenz (März 1928) war das Bundesabzeichen auch an der Zivilkleidung zu tragen.
Georg Elser und der RFB
Bei seiner Verhaftung in Konstanz
am Abend des 8. November 1939 hatte Georg Elser unter dem Kragen seiner Jacke ein Abzeichen des Roten
Frontkämpferbundes angesteckt.
In diesen Roten Frontkämpferbund trat Georg Elser im Alter von etwa 25 Jahren in Konstanz ein. Er gehörte
zu den nur etwa 0,25 Prozent der deutschen Bevölkerung, die sich dieser linksradikalen Vereinigung
anschlossen.
Im Gestapo-Protokoll2 heißt es:
Das RFB-Abzeichen, das ich bei meiner Festnahme unter dem Rockaufschlag angesteckt trug, stammt
aus der Zeit meiner Zugehörigkeit zum RFB. während meiner Konstanzer Zeit. (Fiebig, der mich damals in
den RFB. gebracht hat, ist übrigens vor 1930 schon verstorben.)
Das Abzeichen befand sich offenbar seit jener Zeit, ohne dass ich es zwischendurch gesehen hatte,
bei meinen alten Sachen. Erst beim Aufräumen in München habe ich es wieder gefunden. Wenn ich gefragt werde,
warum ich es nicht weggeworfen habe, so erinnere ich mich, gedacht zu haben "das steckst aus alter
Erinnerung an".
Ob dies bereits kurz vor dem 6. November oder erst am 8.11.1939 war, weiß ich nicht mehr bestimmt.
Es muss aber eigentlich in den letzten Tagen vor dem 6.11.1939 gewesen sein, denn am 8.11.1939
hatte ich ja bereits meine Sachen, außer dem, was ich über die Grenze nehmen wollte, nicht mehr bei mir.
Irgendwelchen bestimmten Zweck, etwa der besseren Aufnahme in der Schweiz, verfolgte ich mit dem
Anstecken des Abzeichens nicht.
In Elser-Biografien wird das Gestapo-Protokoll üblicherweise - nachdem einleitend davor gewarnt wird, dass es
von der Gestapo verfasst wurde und daher nicht alles, was darin steht, stimmen muss -
anschließend dann doch weitgehend für bare Münze genommen. Dies gilt nicht nur
für die Dokumentation des Tathergangs, sondern auch für die innere Einstellung von Elser
und die von ihm genannten Motive. Man muss jedoch unterscheiden:
Das Gestapo-Protokoll ist eine wertvolle Quelle, was den Tathergang angeht. Elser lieferte überzeugende Beweise,
dass er technisch, finanziell und organisatorisch in der Lage gewesen war, als Alleintäter die Zeitbombe
zu konstruieren und zu bauen, die erforderlichen Teile herstellen zu lassen, den Sprengstoff zu stehlen
und die Bombe unerkannt im Bürgerbräukeller einzubauen. Sein Attentat war möglich gewesen, ohne dass
irgendjemand anders vorher davon gewusst hatte. Es gab keinen
Aspekt, der im Nachhinein nur über die Annahme von Hintermännern erklärbar war.
Elser wollte offensichtlich seine Alleintäterschaft beweisen und hielt in dieser Hinsicht mit Informationen
nicht zurück. Er nannte zahlreiche Namen von Helfern, beispielsweise die involvierten Handwerker in München,
die aber allesamt nicht wussten, an welchem Projekt sie ungewollt mitwirkten. Elser hat niemand als Mittäter belastet
und wollte vielleicht auch, dass niemand in falschen Verdacht geriet.
Daraus ist nicht schlusszufolgern, dass er ebenso aufrichtig war, was sein Inneres,
seine politische Einstellung und seine Motive anging. Hier war die Gestapo auf mehr
oder weniger plausible, aber nicht ohne weiteres gegenprüfbare Erklärungen angewiesen. Es ist auch nicht unbedingt
gesagt, dass die Gestapo zu diesem Zeitpunkt bereits großen Wert auf die präzise Erforschung der Motive legte:
Wichtig war in den Wochen unmittelbar nach dem Attentat zunächst die Rekonstruktion der Tat und die Frage der
Hintermänner. Man ging zunächst fest davon aus, dass Elser Hintermänner und Auftraggeber gehabt haben musste.
Für eine detaillierte Erforschung der Psyche und Anschauungen des Attentäters hatte man
auch später noch alle Zeit der Welt, zumal die zur Bedeutungslosigkeit geschrumpfte KPD
als Auftraggeberin des Attentats nicht ernsthaft in Betracht gezogen wurde.
Das uns bekannte Gestapo-Protokoll ist nur ein Zwischenergebnis. Es dokumentiert das, was bis dahin aus
Elser herausgeholt werden konnte. Die Annahme, die Verfasser des Protokolls hätten jedes Wort, das sie auf Grund der
Aussagen Elsers vom 19. bis zum 23. November aufzeichneten, als endgültig erwiesen betrachtet, geht fehl.
Elser mit Verletzungen im Gesicht
Auch die Tatsache, dass Elser während der Haft in Berlin von Zeitzeugen mit Verletzungen im Gesicht
gesehen wurde und ein entsprechendes Foto, das die Gestapo bei einer Anfrage an die Schweiz beigelegt
hat, später im Schweizerischen Bundesarchiv Bern entdeckt wurde 3, erlaubt keine Schlussfolgerungen über den
Wahrheitsgehalt bestimmter Aussagen.
Wir wissen nicht, aus welchem konkreten Grund und mit welchem genauen Ziel er wann geschlagen wurde.
Die Annahme, Elser habe auf Grund von Folter bei dem im Gestapo-Protokoll aufgezeichneten Verhör nur die
Wahrheit gesprochen - auch was seine Motive und sein letztlich von niemand nachprüfbares Inneres
angeht - wäre völlig aus der Luft gegriffen.
Welche Rückschlüsse lässt das Gestapo-Protokoll zu?
Vor diesem Hintergrund muss man die oben zitierte Aussage Elsers werten:
Vor mehr als zehn Jahren hatte er dieses inzwischen längst vergessene Abzeichen erworben.
Sein damaliger Anwerber zum RFB ist inzwischen tot. Das wird nochmals betont, nachdem dies schon
bei einem vorangegangenen Verhör ausgesagt wurde.
Er hatte das Abzeichen an seinen Wohnorten in Königsbronn, Schnaitheim, München immer dabei, ohne es zu wissen.
Erst bei der Fluchtvorbereitung hat er es entdeckt. Dabei wird großes Aufheben darüber gemacht,
ob diese Entdeckung am Montag, Dienstag oder Mittwoch stattfand, wahrscheinlich aber am Montag.
Die "alte Erinnerung" war anscheinend eine positive, denn er nahm jetzt die Gefahr auf sich, es
verdeckt an der Jacke zu tragen, wo es durch irgendeinen dummen Zufall von Dritten entdeckt werden
und erheblichen Ärger verursachen konnte.
Schließlich wird die Tatsache, dass ihm bei erfolgreicher Flucht das Vorzeigen dieses Abzeichens
in der konservativen Schweiz nur geschadet hätte, für ein absurdes Dementi genutzt, er habe sich
damit dort keine bessere Aufnahme erhofft.
Wenn die Gestapo sich mit dieser Aussage, die übrigens auf einer der letzten Seiten des Protokolls steht, vorerst
zufrieden gab, bedeutet das nicht, dass die tatsächlichen Sachverhalte damit für die Nachwelt befriedigend
geklärt sind.
Am zweiten Tag des Verhörs hatte Elser bereits ausgesagt:
Persönlich bin ich nie politisch hervorgetreten. Nach Erreichung des wahlberechtigten Alters habe ich
immer die Liste der KPD gewählt, weil ich dachte, das ist eine Arbeiterpartei, die sich sicher für
die Arbeiter einsetzt. Mitglied dieser Partei bin ich jedoch nie gewesen, weil ich dachte, es genüge,
wenn ich meine Stimme abgebe. An irgendwelchen Aktionen, wie Flugblattverteilung, Zettelwerfen,
Demonstrationszügen und Schmierereien habe ich mich nie beteiligt. Während meiner ganzen beruflichen
Tätigkeit war ich nie im Betriebsrat tätig. Ich war Mitglied der Gewerkschaft des Holzarbeiterverbandes,
weil dies der Verband der Arbeiter meines Berufes war und weil man Mitglied dieses Verbandes sein sollte.
Mit Ausnahme einer späteren noch zu schildernden Zeit habe ich auch nie an parteipolitischen Versammlungen
teilgenommen.
Im Jahre 1928 oder 1929 bin ich in Konstanz dem RFB. beigetreten. Ich war aber nur zahlendes Mitglied,
denn eine Uniform oder irgendeinen Funktionärposten habe ich nie inne gehabt. Insgesamt war ich auch nur
dreimal während meiner ganzen RFB.-Mitgliedschaft in einer politischen Versammlung, natürlich der KPD.
In den RFB. bin ich durch häufiges Zureden eines Arbeitskameraden namens Fiebig, der damals, ebenso wie ich,
in der Uhrenfabrikation in Konstanz arbeitete und mit mir einige Zeit zusammen in der Inselgasse in Konstanz
wohnte, eingetreten.
Wenn ich gefragt werde, ob ich gewusst habe, dass die KPD. die Absicht und das Ziel hatte, in Deutschland
eine Rätediktatur oder eine Diktatur des Proletariats aufzustellen, so muss ich sagen, dass es nicht
ausgeschlossen ist, dass ich so etwas mal gehört habe. Aber irgendetwas gedacht habe ich mir dabei
bestimmt nicht. Ich dachte nicht anders, als dass man durch eine Stimmenabgabe die Mandate der Kommunisten
verstärken müsse und dass dann so die Partei mehr für die Arbeiterschaft tun könne. Von einem gewaltsamen
Umsturz habe ich nie etwas gehört.
Für das Programm der KPD. habe ich mich nie interessiert. Ich kann daher auch nicht angeben,
wie sich im Fall des Sieges der KPD. die wirtschaftliche Lage umgestellt hätte. In den Versammlungen ist
lediglich davon gesprochen worden, dass mehr Lohn gezahlt werden soll, bessere Wohnungen geschafft werden sollen
und solche ähnliche Dinge. Die Aufstellung dieser Forderungen hat für mich genügt, um mich kommunistisch zu
orientieren.
Niemand kann heute beurteilen, ob diese Aussagen stimmen.
Die Tatsache, dass Elser noch zehn Jahre nach dem Verbot des RFB ein Abzeichen besaß, das er nun auch noch
"aus alter Erinnerung" bei seiner Flucht ansteckte, ist seltsam und seine Erklärungen dazu sind
wenig schlüssig.
Es war in der Weimarer Republik schon ein großer Unterschied, KPD zu wählen, oder Mitglied im RFB zu werden.
Die KPD wählten im Jahr 1928 etwa 10 Millionen Deutsche, im RFB waren nur um die 150.000 organisiert.
Diese Mitgliedschaft gegenüber der Gestapo auf Dauer leugnen zu wollen, wäre zwecklos gewesen. Vielleicht hat
Elser dies zunächst versucht und beispielsweise behauptet, er habe das RFB-Abzeichen irgendwo auf der
Fähre nach Konstanz gefunden und angesteckt, weil es so schön bunt war, ohne zu wissen, was es wirklich war.
Dies würde ihm dann aber wohl niemand abgenommen haben.
Unter der Maßgabe, dass eine Mitgliedschaft im RFB nicht mit Erfolg zu leugnen war, muss man die Aussage
Elsers in Sachen Kommunismus genau lesen:
Er hat die KPD gewählt.
Er war kein KPD-Mitglied.
Er hat sich nie an Aktionen beteiligt.
Beim RFB war er nur zahlendes Mitglied.
Er trug als RFB-Mitglied keine Uniform.
Eigentlich wurde er zur RFB-Mitgliedschaft eher überredet.
Der ihn überredet hat, lebt nicht mehr.
Das Programm und die Ziele der KPD kannte er nicht, sie haben ihn auch nie interessiert.
Die KPD war für ihn eine Art soziale Bewegung, die durch seine Unterstützung "mehr für
die Arbeiterschaft tun" können sollte, inbesondere auf den Gebieten der Entlohnung und des Wohnungsbaus.
Mit der unbestreitbaren RFB-Mitgliedschaft als Ausgangsbasis unterscheidet sich Elsers Aussage
in keinem einzigen Detail von einer Aussage, die ein aktives Mitglied der illegalen KPD abgegeben hätte:
Nur zugeben, was nicht abstreitbar ist.
Von dem, was sein könnte, aber für die Gestapo momentan nicht gegenzuprüfen ist,
alles auf ein geringstmögliches Minimum zu reduzieren.
Sich dumm stellen.
Nie dabeigewesen sein.
Nicht gewusst haben, worum es eigentlich ging.
Ein aufrechter Arbeiter sein, aber kein "echter" Kommunist.
Ein "nur zahlender" Sympathisant sein, der genaugenommen garnicht erst weiß, mit was er da sympathisiert.
Bei der KPD gab es damals für die illegalen Aktivisten Lehrgänge, in denen genau diese Taktik
bei Verhören trainiert wurde. Wenn man nach einer Verhaftung Glück hatte, funktionierte das. Zunächst musste man
dies auf jeden Fall versuchen. Denn wer bei keiner illegalen Aktion dabei war, gar nicht richtig dazugehörte
und nicht einmal wusste, worum es eigentlich ging, der kam, falls man ihm das abnahm, auch nicht in die
Verlegenheit, unter Druck seine Genossen zu verraten.
Wer glaubt, dass aus dieser Aussage irgendeine ernsthafte Schlussfolgerung über den wirklichen Elser
ziehen zu können, geht offensichtlich von zwei Annahmen aus: Erstens, dass Elser
freiwillig oder unter Zwang
Autobiografie eines Attentäters 4
die reine Wahrheit gesprochen hat, als er diese Aussage machte. Zweitens wird aus der Tatsache, dass
die Gestapo-Ermittler diese Aussage so aufgezeichnet haben, abgeleitet, dass damit für die Gestapo
diese Angelegenheit final erforscht war. Beide Annahmen sind jedoch spekulativ.
Es gab viele weitere Verhöre, deren Protokolle leider wohl für immer verloren gegangen sind. Wir wissen nicht,
was die Gestapo letztlich im Fall Elser an Fakten zusammengetragen hat. Wir wissen nur, was sie bis zum 23. November 1939,
also in den ersten zwei Wochen nach der Tat, in der Lage war, zu erforschen. Und dieses Wissen ist bezüglich
der Frage, ob und inwieweit Georg Elser tatsächlich ein Kommunist war, mehr oder weniger wertlos.
Wer das Gestapo-Protokoll unter dem Titel "Autobiographie eines Attentäters" herausgibt - mit dem
Elser-Schauspieler Klaus Maria Brandauer auf dem Cover - bewegt sich zweifellos auf recht dünnem Eis.
Zugegebenermaßen wird nicht jede Autobiografie eigenhändig geschrieben, der Ghostwriter ist jedoch
in diesem Fall etwas problematisch. Andererseits: Bekanntlich wird fast nirgends so viel gelogen, wie gerade
in Autobiografien.
Was sagten Zeitzeugen über Elser?
Die nationalsozialistische Berichterstattung
beschrieb Elser zwar als "Untier", behauptete aber nie, dass Elser ein Kommunist gewesen sei
oder die KPD für das Attentat verantwortlich gewesen sei:
Auftraggeber bzw. Geldgeber für das Unternehmen war der britische Intelligence Service.
Organisator des Verbrechens Otto Strasser. ...
Wir haben diesen Mann gesehen. Das ist der Mörder der Opfer jenes furchtbaren Planes, das ist der Mann,
der den Führer und mit ihm die Führerschaft des Reiches treffen wollte. Man muss sich das alles immer
wieder von Augen halten, denn dieser Mann dort hat keine auffällige Verbrecherphysiognomie, sondern
intelligente Augen, leise, vorsichtig abwägende Ausdrücke, die Vernehmungen dehnen sich endlos, jedes
Wort überlegt er lange und genau, bis er antwortet, und wenn man ihn dabei beobachten kann, vergisst
man im Augenblick, vor welchem fanatischen Untier man steht, welche Schuld, welche grausige Last
dieses Gewissen dort scheinbar so leicht zu tragen imstande ist.
Die Kriminalgeschichte kennt keinen Parallelfall für dieses gemeinste und raffinierteste aller Verbrechen.5
S. Payne Best
Der britische Geheimdienstoffizier Sigismund Payne Best, der beim
Venlo Zwischenfall
nach Deutschland verschleppt und später für einige Jahre im selben KZ-Gebäude wie Elser gefangengehalten wurde,
behauptete 1950 in seinen Memoiren 6, Elser sei in München in Verbindung mit einer kommunistischen Gruppe
gestanden. Diese und andere Hintergrundinformationen, die er angeblich von Elser in Kassibern erhalten haben will,
haben sich inzwischen als reine
Phantasieprodukte von
Sigismund Payne Best erwiesen, wurden aber in der Nachkriegszeit von Historikern zunächst als Tatsachen akzeptiert.
W. Schellenberg
SS-Sturmbannführer Walter Schellenberg, erfolgreicher Drahtzieher und Gegenspieler Bests
beim
Venlo Zwischenfall
und späterer Chef des Auslandsgeheimdiensts berichtete in seinen 1956 posthum herausgegebenen
Memoiren7, der
in Sachen Elser ermittelnde Gestapochef Heinrich Müller habe ihm mitgeteilt:
Ich komme einfach nicht mit dem Kerl weiter, er ist zu verstockt und bleibt immer bei seiner ersten
Aussage - er hasse Hitler, der seinen Bruder als Kommunisten in ein KZ gesperrt habe. Dann behauptet
er wieder, ihm habe die aufregende Bastelarbeit an der Höllenmaschine einfach Spaß gemacht, wobei er dann
immer das Bild des zerfetzten Körpers Hitlers vor sich gesehen habe.
Ein Hynotiseur habe schließlich herausgefunden:
Bei Elser handele es sich um einen Fanatiker, einen sektiererischen Einzelgänger mit der Zwangsvorstellung,
seinen Bruder rächen zu müssen. Hinzu komme ein Geltungskomplex, auf technischem Gebiet etwas Besonderes
zu leisten. Schließlich vereinige sich dieser Geltungskomplex mit dem Drang, sich durch die Beseitigung Hitlers
berühmt zu machen und zugleich Deutschland von dem "Übel Hitler" zu befreien.
Elser hatte aber keinen Bruder, der als Kommunist ins KZ gesperrt worden war und den er zu rächen hatte.
Es ist unklar, inwieweit sich bei Schellenbergs Erinnerungen in dieser Sache Hörensagen und eigene Phantasie
vermischen.
Es kann allerdings nicht völlig ausgeschlossen werden, dass Elser aus seiner Konstanzer Zeit
vielleicht einen kommunistischen Freund hatte, den er rächen wollte, und das dies die eigentliche Erklärung für
seinen Hass auf Hitler und seine fast übermenschliche Energie bei der Planung und Durchführung des Attentats war.
H. B. Gisevius
Der Widerstandskämpfer Hans Bernd Gisevius, der mit dem in Sachen Elser ermittelnden Kripochef Arthur Nebe
befreundet war, beschrieb Elser 1946 in seinen
Memoiren8als
"fanatischen Kommunisten" und richtiger Weise als Alleintäter.
Erst 1966 ging er - offensichtlich inzwischen auch in Kenntnis der Gestapo-Protokolle - in einem
Buch über Nebe9 auf
nähere Details ein. Er schrieb beispielsweise, dass Elser bei seiner
Festnahme unter dem Rockaufschlag ein Abzeichen des ehemaligen kommunistischen Roten Frontkämpferbundes
getragen hatte. Laut Nebe sei Elser "weder Kommunist noch Marxist noch Anarchist, politisch
sei er überhaupt nichts gewesen, was man genau hätte definieren können."
O. Bumke
Der Psychiater und Neurologe Oswald Bumke bekam den Auftrag, Elser zu begutachten
und berichtete in seinen
Memoiren im Jahre 1952: 10
Es fehlte ihm nichts. Er wäre Kommunist und Pazifist, erklärte er, und deshalb hätte er
Hitler und seine Leute beseitigen wollen, weil sich nur dadurch der Krieg hätte vermeiden
oder schnell beendigen lassen.
F. J. Huber
Kriminaldirektor Franz Josef Huber, der
Elser bereits in München vernommen und in der Nacht zum 14. November
zum Geständnis des Attentats gebracht hatte, erinnerte sich ein Vierteljahrhundert nach dem Attentat:
Seine Zugehörigkeit zur KPD verschwieg er nicht, er war ziemlich lange dort, auch noch
zur Zeit des Dritten Reiches, also in der Illegalität. Aber ich kann mich an keine Daten mehr erinnern.
11
Diese Kenntnis kann Huber jedoch nicht schon bei seinem eigenen
Verhör Elsers in München
gewonnen haben, da
Dilemma mit dem "Vorbild Elser"
Die Aussage Elsers zu seiner kommunistischen Orientierung erzeugt für diejenigen,
die Elser eine Vorbildfunktion zuschreiben wollen, ein Dilemma, das sie wahrscheinlich
noch garnicht bemerkt haben:
Im einen Fall war Elser ein überzeugter Kommunist, der vernünftiger Weise bei der Gestapo die
"Alles-leugnen-was-geht"-Taktik
anwandte und zumindest bis zum 23.11.1939 damit Erfolg hatte. Aus dem Anstecken des RFB-Abzeichens
im November 1939 könnte man ableiten, dass er seiner Gesinnung treu geblieben war.
Im anderen Fall war Elser ein Mann, dessen politisches Denken so zu umreißen wäre:
Wählt eine linksradikale Partei, für deren Programm er sich nie interessiert hat.
Hat vielleicht gehört, dass diese Partei in Deutschland eine Diktatur des Proletariats errichten will,
sich aber dabei nichts gedacht.
Glaubt, die KPD wolle lediglich höhere Löhne und bessere Wohnungen.
Lässt sich von einem Kollegen überreden, dem paramilitärischen Kampfverband der KPD beizutreten.
Ist - im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung - der felsenfesten Überzeugung, dass die
politische Führung beseitigt werden muss.
Bei beiden Versionen drängen in punkto "Vorbild" eine Reihe kritischer Fragen auf.
Dies ändert aber natürlich nichts an der Tatsache, dass nach
all dem, was wir heute wissen, ein erfolgreiches Bürgerbräu-Attentat der
Menschheit großes Unheil erspart hätte.
dies einige Tage vor den fünf Verhörtagen in Berlin stattfand, die im Gestapo-Protokoll überliefert sind.
Er kann aber als enger
Freund von Gestapochef Heinrich Müller
später von Ermittlungsergebnissen, die nach dem 23.11.1939 gewonnen wurden, gehört haben.
Kriminalmeister Otto Grethe, der nach dem Attentat für die Gestapo in Konstanz ermittelte, berichtete 1964, Elser sei sowohl im
RFB, als in der KPD Mitglied gewesen. 12
Die Familie Elsers wusste nach eigenen Aussagen nichts von einer kommunistischen Gesinnung des Sohns bzw. Bruders.
Lediglich seine Schwester Anna berichtete nach dem Krieg, ihr Bruder habe Ende der 1920-er Jahre einmal ein großes Foto mit
Konstanzer KPD-Mitgliedern nach Königsbronn mitgebracht. 13
Es sind auch keine Königsbronner Freunde und Bekannte Elsers aufgetreten, die von einer
KPD-Orientierung Elsers berichteten.
Dies bedeutet aber - zumindest für die Zeit nach 1933 - nicht viel: Die wenigen, die der KPD in der Illegalität die Treue hielten,
arbeiteten in höchster Geheimhaltung und waren gehalten, keinem Außenstehenden - einschließlich der Familie -
von ihren konspirativen Tätigkeiten Kenntnis zu geben.
Parteileiter in Schnaitheim war KPD-Mitglied Josef Schurr, der 1933 für fünf Monate im ersten
württembergischen KZ auf dem Heuberg inhaftiert war. Schurr schrieb 1947 einen Leserbrief
an eine Ulmer Zeitung, den diese damals nicht veröffentlichte, den heute aber der Elser-Biograf
Hellmut G. Haasis
besitzt. Schurr schrieb damals:
Viele sind jetzt über den Strolch Hitler als ihren Führer schwer enttäuscht. Wenige haben ihn jedoch
rechtzeitig als einen Verbrecher erkannt.
Ich hatte das Glück, Georg Elser näher kennenzulernen. Ich traf ihn das erstemal anlässlich einer politischen
Veranstaltung in Königsbronn im Jahre 1931. Er war damals in keiner Partei organisiert, wohl aber merkte
ich sofort, dass er ein scharfer Nazi-Gegner war. Er war immer stark interessiert an einer Gewaltaktion gegen
Hitler und seine Trabanten. Hitler selbst bezeichnete er immer als einen "Zigeuner". Man dürfe ja
nur sein Verbrechergesicht ansehen.
Wir kamen des öfteren auf das Thema zu sprechen, was wohl zu machen wäre und unbedingt gemacht werden müsse.
Elser und ich haben noch manche Kleinaktion gegen die Nazis unternommen, ohne dass sie uns auf die Spur gekommen sind.
Es waren wohl nur Einzelaktionen, hätte aber jeder Nicht-Nazi das Gleiche getan und das wäre bestimmt im
Jahre 1932 und 1933 noch möglich gewesen – dann wäre vieles anders gekommen.
Erst 1937 sah ich meinen Freund Elser wieder, bei dem stark von Nazis durchsetzten Rüstungsbetrieb Waldenmaier.
Elser war noch radikaler geworden. Wir gelobten uns aufs Neue gegenseitige Treue mit dem gemeinsamen Wunsch:
"Hitler möge recht bald verrecken."
Vor seinem Weggehen nach München äußerte sich Elser dahin, dass ich seinen Namen, falls sein Vorhaben gelinge,
bald in der Presse lesen werde. Fest steht, dass Elser kein Verbrecher oder gekauftes Subjekt gewesen sein konnte.
Meinem Wissen nach müsste er als ein Märtyrer und Freiheitskämpfer in die deutsche Geschichte eingehen.
14
Ob diese Beschreibung von Josef Schurr der Realität entspricht, oder einfach nur in die Kategorie der
vielen falschen Gerüchte über Elser einzuordnen ist, kann von niemand beurteilt werden.
Dass in der Geschichtsschreibung der DDR Elser nicht als Mitstreiter der KPD vereinnahmt wurde, gilt
als Indiz dafür, dass Elser dies auch nicht war. Tatsächlich besagt dies aber nur, dass Elsers Attentat
nicht der damaligen offiziellen Parteilinie der von Moskau aus gesteuerten KPD entsprach.
Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) ist eine Organisation, die bis 1989 in finanzieller
Abhängigkeit der DDR stand. Ein Verdienst der Heidenheimer VVN ist allerdings der 1972 in Schnaitheim
errichtete
Georg-Elser-Gedenkstein.
In einem Leserbrief der VVN in der Heidenheimer Zeitung meldete 1971 sich Josef Walzel zu Wort: 15
In diesem Brief heißt es:
Die vielseitige Behauptung zur Person Georg Elser, er sei ein Kommunist gewesen, ist zwar heute symptomatisch,
entspricht aber nicht den historischen Tatsachen. Wenn Elser tatsächlich ein Kommunist gewesen wäre, so spräche dies
in keiner Weise gegen seine Person und seine Tat am 9. November 1939. Dadurch würde die geschichtliche Tatsache
erhärtet, dass in den zwölf Jahren Naziherrschaft die Kommunisten die größten Blutopfer gebracht haben.
Auf Grund einwandfreier Feststellungen noch lebender Zeitgenossen und Freunde Georg Elsers hatte derselbe nach der
Machtübernahme durch die Nazis im Jahre 1933 in bewunderungswürdiger Weise zum Ausdruck gebracht, dass Adolf
Hitler durch seine damals schon ersichtlichen Kriegsvorbereitungen den Untergang des Deutschen Reiches
und Volkes zur Folge haben werde.
Von diesem Zeitpunkt ab reifte in Georg Elser der Plan, unter allen Umständen Adolf Hitler zu beseitigen.
Für dieses Vorhaben glaubte er, bei den Kommunisten als die revolutionärste Vorhut und schärfsten Gegner
der Nazis Unterstützung zu finden. Als er sich aber in seinen tollkühnen Plänen von den Kommunisten im
Stich gelassen fühlte, wurde er zum Einzelgänger.
Wenn Elser bei Schnaitheimer Kommunisten auch weiterhin ein- und ausging, dortselbst Anti-Hitler-Flugblätter
und Plakate mitnahm und zu nächtlicher Stunde verteilte und anklebte, so blieb er dennoch diesen Leuten
gegenüber betreffs seiner Pläne konsequent verschlossen. Von dieser Feststellung aus gesehen
wurden die Kommunisten von dem Attentat auf Hitler am 9. November 1939 genauso überrascht wie das
übrige deutsche Volk und die Welt, wenngleich die Übersiedlung von Elser nach München kurz vor der Tat
verschiedene Vermutungen aufkommen ließ.
Abgesehen von der Tatsache, dass Elsers Bombe nicht am 9. November, sondern einen Tag früher explodierte,
wird uns hier ein plausibles Bild von einem Georg Elser gezeigt, der viel stärker mit der Kommunistischen
Partei sympathisierte, als heute allgemein bekannt. Was die Beseitigung Hitlers anging, war er sogar noch
radikaler, als die Partei. Das gibt der Leserbriefautor, der eindeutig als geschulter Kommunist erkennbar ist,
unumwunden zu. Nachprüfbar sind diese Behauptungen über Elser allerdings nicht.
Erwähnt sei auch das Gerücht der
kommunistischen Troika16,
der Georg Elser angehört haben soll. Diese spannende Reportage der Journalisten Ernst Petry und
Günter Peis, die 1964 in einer dreiteiligen Serie im "Stern" erschien, wurde allerdings
mit keinem einzigen Beweis untermauert.
War Georg Elser ein Kommunist?
Wie stark Elsers kommunistische Orientierung und sein Engagement innerhalb der KPD und ihrer Organisationen
war, wird - sofern keine sensationellen neuen Beweise entdeckt werden - für immer ein Geheimnis bleiben.
Das Gestapo-Protokoll lässt die Deutung eines naiven Elsers zu, der KPD wählte und beim RFB eintrat,
aber eigentlich garnicht wusste, worum es der KPD ging, und dies auch nicht wissen wollte. Ebensogut
könnte er ein überzeugter, aktiver Anhänger der KPD gewesen sein, der bei der Gestapo die
"Alles-leugnen-was-geht"-Taktik anwandte und damit zumindest bis zum 23. November 1939 erfolgreich war.
Lässt man Sigismund Payne Best, dessen Elser-Kassiber mit größter Wahrscheinlichkeit eine reine Erfindung sind,
ebenso wie die rein spekulative Kommunistische-Troika-Theorie außer Betracht, ergibt sich seitens der
anderen Quellen folgender Überblick:
NS-Propaganda
Untier, handelte im Auftrag des britischen Geheimdienstes und Otto Strassers
Schellenberg
Sektiererischer Einzelgänger, wollte kommunistischen Bruder rächen
Gisevius
Fanatischer Kommunist
Bumke
Kommunist und Pazifist
Huber
Zugehörigkeit zur KPD
Grethe
RFB- und KPD-Mitglied
Familie, Bekannte
Keine Information über kommunistische Verbindungen
Schurr
In keiner Partei, scharfer Nazi-Gegner, Kleinaktionen mit Kommunisten
Walzel
Ging bei Kommunisten aus und ein, verteilte KPD-Flugblätter, klebte KPD-Plakate
Dass Georg Elsers Verbindung zur KPD und sein Engagement für diese Partei wesentlich intensiver war,
als es im heutigen Elser-Bild wahrgenommen wird, ist angesichts aller zur Verfügung stehenden Informationen
nicht zweifelsfrei erwiesen, andererseits aber auf keinen Fall auszuschließen.
Das Bild des verfassungskonformen Elser
Das Elser-Bild derer, die sich jetzt anerkennenswerter Weise in Berlin, München und Konstanz um weitere Elser-Denkmale
bemühen, wird weitgehend von der stillschweigenden Annahme geprägt, Elsers Aussagen zur KPD in seiner
"Autobiografie", dem Gestapo-Protokoll, würden die reine Wahrheit wiedergeben.
Eher unbewusst, als offen ausgesprochen, möchte man lieber einen in seiner kommunistischen Orientierung vielleicht
etwas naiven, ansonsten aber aus heutiger Sicht letztlich verfassungskonformen, politisch
korrekten Elser auf das Podest heben, als sich mit der ganzen Komplexität dieses außerordentlichen Mannes und
seiner bemerkenswerten Tat auseinanderzusetzen.
Denn ein Attentat auf einen Diktator ist seit 1968 mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
prinzipiell vereinbar17.
Nicht aber vereinbar sind die damaligen Ziele der KPD, die später vier Jahrzehnte lang in einem Teil Deutschlands
tatsächlich umgesetzt wurden.
So wird auch nachvollziehbar, wenn Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble im September 2008 bei seiner ausführlichen
Rede18
zur Enthüllung der Georg-Elser-Büste in Berlin Elsers Verbindungen zur KPD komplett ausblendete.
Ein Denkmal direkt am
Eingang des Bundesministeriums des Innern
für einen Bombenattentäter, der kein Kommunist war, ist zweifellos leichter zu vermitteln.
1
Armeemuseum der DDR, Roter Frontkämpferbund 1924-1929, Ausstellungskatalog, Dresden 1984
2
Bundesarchiv Koblenz, Signatur R 22/3100
3
Ulrich Renz: Die Akte Elser, Schriftenreihe der Georg Elser Gedenkstätte Königsbronn Band 1, Königsbronn 2000
4
Johann Georg Elser: Autobiografie eines Attentäters. Der Anschlag auf Hitler im Bürgerbräu 1939,
Hrsg. von Lothar Gruchmann, Stuttgart 1989
5
Der Grenzbote, Heidenheim 22.11.1939 - ähnlich in der gesamten NS-gesteuerten Presse
Ernst Petry/Günter Peis: Der Attentäter, in: 3-teilige Serie in "Stern"
Nr. 18/1964 (3.5.1964) S. 30 ff; Nr. 19/1964 (10.5.1964) S. 46 ff; Nr. 20/1964 (17.5.1964) S. 80 ff
17
Jutta Limbach: Georg Elsers Attentat im Lichte des legalisierten Widerstandsrechts, Bremen 2003
18
www.bmi.bund.de
Dieser Artikel ist Teil der Online-EditionMythos Elser.