Die Stadt München wird 2013 erstmals den mit 5000 Euro dotierten Georg-Elser-Preis vergeben. Dies wurde am Donnerstag vom
Kulturausschuss bewilligt. Preiswürdig sind Personen, die sich durch Zivilcourage und zivilen Ungehorsam auszeichnen.
Der Preis erinnert an den Schreiner Georg Elser, der am 8. November 1939 versucht hatte, Hitler bei einem Attentat im
Bürgerbräukeller zu töten. Elser selbst, dessen Einzeltäterschaft lange angezweifelt wurde, wurde am 9. April 1945, also nur
wenige Wochen vor Kriegsende, im Konzentrationslager Dachau erschossen. In München erinnern das Elser-Denkmal an der Türkenstraße,
eine Gedenktafel samt Schaukasten am Gasteig sowie ein nach ihm benannter Platz an den Mann und seine mutige Tat.
Einen Georg-Elser-Preis gibt es seit 2001. Er wurde alle zwei Jahre durch die Elser-Initiative verliehen, die Ausrichtung und
Verleihung nun der Stadt überlässt. Das Kultur-Budget wird deshalb um 10000 Euro erhöht. E.-E.F.
Quelle: Süddeutsche Zeitung 23.11.2012
München
Der Georg-Elser-Preis wird künftig durch die Stadt vergeben
Der Kulturausschuss hat heute beschlossen, den bisher von einer privaten Initiative vergebenen Georg-Elser-Preis künftig unter städtischer Ägide zu
verleihen und folgt damit einem Antrag von Grünen und SPD vom Mai 2012. Ab 2013 wird der mit 5000 € dotierte Preis alle zwei Jahre an eine Einzelperson
verliehen, die beispielhaft Zivilcourage gezeigt hat bzw. undemokratischen oder rechtsextremen Tendenzen entgegengetreten ist. Der Stadtrat folgt damit
dem Wunsch der Georg-Elser-Initiative, die den Preis in den letzten 12 Jahren vergeben hat.
Stadtrat Siegfried Benker: "Georg Elser ist der vergessenste aller vergessenen Widerstandskämpfer. Mit seinem Attentat auf Adolf Hitler
am 8. November 1939 hat er gezeigt, dass auch der Einzelne Widerstand leisten konnte. Der Georg-Elser-Preis ist ein Bekenntnis dazu, dass
die Demokratie die Tatkraft jedes und jeder Einzelnen braucht. Der Georg-Elser-Initiative gebührt Dank dafür, dass sie den Preis durch langjährigen
Einsatz etabliert hat. Mit der Übernahme der Preisverleihung in städtische Verantwortung bekennt sich München noch mehr als bisher zu einem
großen Widerstandskämpfer und würdigt seine Verdienste."
Quelle: Die Grüne Stadtratsfraktion & rosa Liste: Pressemitteilung 22.11.2012
Vorgeschichte
Aktuelles vom Georg-Elser-Preis
Vergabe durch Stadt München? / Markenanmeldung
Der Georg-Elser-Preis wird seit 2001 alle zwei Jahre von verschiedenen Elser-Initiativen in gemeinsamer Abstimmung vergeben:
Georg-Elser-Initiative München (2001), Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim (2003), Georg-Elser-Initiative Bremen (2005),
Georg-Elser-Initiative Berlin (2007). Die in einem Statut vereinbarte Zusammenarbeit wurde jedoch 2009 und 2011 durch
Eigenmächtigkeiten aus München grob missachtet.
30. Mai 2012: Künftige Vergabe durch Stadt München?
Dieser
Georg-Elser-Preis
soll nach Vorstellung der Stadtratsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen-rosa liste
künftig von der Stadt München in Zusammenarbeit vergeben werden. Die Idee dazu stammt von Hella Schlumberger und ihrer
Georg-Elser-Initiative München.
Die Georg-Elser-Initiativen haben den Preis insgesamt sechsmal vergeben, dreimal davon in München. Die Idee eines durch bundesdeutsche Städte ziehenden Georg-Elser-Preises
hat sich aber als unrealistisch herausgestellt. Um für andere Aktivitäten in der Erinnerungsarbeit für Georg Elser Kapazitäten frei zu bekommen hat die Initiative
beschlossen, den Georg-Elser-Preis an die Stadt abzugeben, wenn die Georg-Elser-Initiative sich personell und inhaltlich in dem dann entstehenden Preis wiederfindet.
Nicht erwähnt wird, dass für den Georg-Elser-Preis ein
Statut
existiert und dass sowohl bei den letzten zwei Verleihungen in München, als auch jetzt mit dem Antrag an die Stadt München gegen dieses Statut,
eine Vereinbarung zwischen den Elser-Initiativen in München, Bremen, Berlin und Heidenheim,
verstoßen
wurde.
21. Oktober 2009: Hella Schlumbergers Georg-Elser-Preis®
In diesem Zusammenhang wird bekannt, dass Hella Schlumberger den Begriff "Georg-Elser-Preis" bereits vor drei Jahren beim
Deutschen Patent- und Markenamt als Marke für sich hat schützen lassen:
Die Gründerin der Georg-Elser-Initiative hat den Georg-Elser-Preis patentieren lassen. (Marke Nr.: 30 2009 060 096 "Georg-Elser-Preis"; Markeninhaberin: Frau Hella
Schlumberger; Patent vom 21. 10. 2009) Damit ist sichergestellt, dass in Absprache mit der Markeninhaberin die Stadt München einen Georg-Elser-Preis vergeben kann. Das
Kulturreferat wird gebeten, mit der Leiterin der Georg-Elser-Initiative in Verbindung zu treten, um die Modalitäten der Preisvergabe zu eruieren und vertraglich zu vereinbaren.
18. Juni 2012: Koordination aus Heidenheim
Als nächstes meldet sich der "Förderverein Georg Elser e.V." in Heidenheim zu Wort. Dieser gemeinnützige Verein wurde hauptsächlich geschaffen, um
für den im Jahre 2003 in Heidenheim vergebenen und mit 5.000 Euro dotierten Georg-Elser-Preis Spenden zu sammeln. Auch für das im Jahre 2010 in
Königsbronn errichtete Elser-Denkmal sammelte er mit großem Erfolg die notwendigen Gelder.
Nach außen hin tritt in Heidenheim jedoch normalerweise der
Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim
auf, der im Wesentlichen aus denselben Personen besteht. In einer
Presseerklärung
des "Förderverein Georg Elser e.V." vom 18. Juni 2012 heißt es:
In seinem Tätigkeitsbericht erinnerte Gerhard Oberlader an die inzwischen europaweiten Aktivitäten des Georg-Elser-Arbeitskreises Heidenheim, der
in der Person Manfred Maiers die Koordination insbesondere der deutschen "Sektionen" übernommen habe.
Aus Sicht des Fördervereins soll der nächste Georg-Elser-Preis anscheinend in Heidenheim, von wo aus ja auch deutschlandweit alles koordiniert wird,
vergeben werden:
"Als nächstes gilt es, die Preisverleihung 2013 (110. Todestag Georg Elsers) vorzubereiten."
Abgesehen davon, dass Elser vor 110 Jahren nicht gestorben ist, sondern am 4. Januar 1903 in Hermaringen bei Heidenheim geboren wurde,
darf man gespannt sein, wie es weitergeht.
22. November 2012: Stadt München vergibt den Preis ab 2013
Am 22. November 2012 bewilligt der Kulturausschuss der Stadt München die finanziellen Mittel für die Verleihung des Preises im kommenden Jahr.
Die Stadt München will nun tatsächlich ab 2013 den Georg-Elser-Preis vergeben.
Auch wenn die Stadt München damit dem Gemeinschaftsprojekt der Georg-Elser-Gruppen den endgültigen Todesstoß versetzt hat,
mag dies letztlich zum Vorteil des Georg-Elser-Preises gereichen:
Ein von der bayerischen Landeshauptstadt vergebener Georg-Elser-Preis hat zweifellos einen völlig neuen Stellenwert.
München ist nicht nur die drittgrößte deutsche Millionenstadt, sondern auch der historische Ort, an dem 1939 das Bürgerbräu-Attentat stattfand.
Vielleicht ist die ehemalige "Stadt der Bewegung" mit diesen Preis jetzt endgültig bei der Anerkennung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus angekommen.
Durch die zu erwartende professionelle Öffentlichkeitsarbeit wird der Preis künftig einen deutlich höheren Bekanntheitsgrad erreichen.
Es dürfte ausgeschlossen sein, dass nochmals jemand wie Dietrich Wagner einen Preis erhält, der den Namen Georg Elsers trägt.
Außerdem hat die Stadt München den gordischen Knoten, der die am gemeinsamen Georg-Elser-Preis-Statut Beteiligten zusammenhielt, zerschlagen.
Warum nicht: Die Entwicklung ab 2009 hat bewiesen, dass die Elser-Gruppen zu einer dauerhaften Zusammenarbeit ohnehin nicht fähig sind.
Hella Schlumberger, geistige Mutter des Georg-Elser-Preises, die aber in den letzten Jahren auch viel Schaden angerichtet hat, wird ihre selbstherrliche Rolle wohl
für immer verloren haben. Denn die Stadt München wird sich nicht von ihr auf der Nase herumtanzen lassen.