Der SS-Oberscharführer, der Georg Elser erschoss, ist in Heilbronn begraben
SS-Oberscharführer Theodor Bongartz hat sein Opfer nicht lange überlebt. Er starb am 15. Mai 1945
in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Sein Grab wurde Ende der 1990er Jahre vom Elser-Biografen Haasis auf
einem Friedhof in Heilbronn entdeckt. Beim Versuch, seinen Grabstein zu fotografieren, gab es im Sommer 2008
eine Überraschung.
VON PETER KOBLANK
Theodor Bongartz
Georg Elser verübte 1939 ein Attentat auf Hitler und wurde kurz vor Kriegsende am 9. April 1945 in Dachau
von SS-Oberscharführer Theodor Bongartz liquidiert. Bongartz kam im Mai 1945 im Raum Heilbronn in Kriegsgefangenschaft,
starb am 15. Mai 1945 und wurde
in der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof Heilbronn-Böckingen als vermeintlicher Wehrmachts-Oberfeldwebel
bestattet. Diese Zusammenhänge wurden 1999 durch die Elser-Biografie von
Hellmut G. Haasis
bekannt.
Der Friedhof Böckingen liegt an der Heidelberger Straße in 74080 Heilbronn.
Das Grab von Bongartz befindet sich in einem speziellen Bereich (Abschnitte 17, 19 und 25) dieses Friedhofs,
in dem von Ende 1944 bis 1946 in erster Linie
Soldaten, darunter auch einige "unbekannte Soldaten", ihre letzte Ruhe fanden.
Dort sind aber auch Zivilisten, gerade in den ersten Gräbern ab 1944 auch auffallend zahlreiche Frauen, bestattet;
es handelt sich um Opfer der schweren Bombenangriffe auf Heilbronn.
Friedhof Böckingen. Das Grab von Bongatz liegt im Abschnitt 19.
Die Kriegsgräber in diesem Bereich sind einheitlich mit einfachen schmalen Steinen markiert,
die die knapp 50 cm breit und mit Vorname, Nachname, Geburtstag und Todestag beschriftet sind.
Sie wurden offensichtlich fortlaufend nebeneinander errichtet und sind daher zwar nicht exakt, aber
doch in etwa nach dem Todestag sortiert. Auf einer sehr geringen Zahl von Gräbern fehlt der Grabstein.
Ab und zu ist ein Grab mit Blumen geschmückt.
Abschnitt 19 im Friedhof an der Heidelberger Straße in Böckingen. Pfeil: Grab von Bongartz.
Das Grab von Theodor Bongartz befindet sich nach Haasis in der 17. Reihe (gezählt aus Richtung von
der Aussegnungshalle her) an der 6. Stelle vom Weg aus. Es liegt ziemlich genau an der Stelle, in der oben
im Friedhofsplan die "19" eingezeichnet ist.
Heute ist genau dort in der 17. Reihe eine Lücke.
Der sechste Grabstein in der 17. Reihe fehlt.Vergrößerung.
Im fünften Grab liegt links von der Lücke Max Mächler ( 5. Mai 1945). Rechts von der Lücke
im siebten Grab liegt Erich Bursch ( 11. Mai 1945). Theodor Bongartz starb am Dienstag, 15. Mai 1945.
Haasis schrieb 1999 in seiner Elser-Biografie über das Grab von Bongartz:
"Noch heute wird es als Soldatengrab gepflegt."
Nachdem dieser Sachverhalt publik wurde und auch die Friedhofsverwaltung in Heilbronn die tatsächliche Identität
von Bongartz erkannte, ließ sie den Grabstein im Jahr 2001 ohne großes Aufsehen entfernen.
Kommentar von Hellmut G. Haasis
Selbst von Bongartz können wir etwas lernen. Wenn er schon kein gutes Vorbild sein kann, so
wenigstens ein abschreckendes.
Und man kann besichtigen, dass eine solche Tat vielleicht
vorübergehend im passenden Regime gerne gesehen wird, aber auf die Dauer wendet sich eine
zivilisierte Menschheit von solchen Leuten ab. Und das zeigt dann die Lücke.
Der Grabstein besteht aus einer Keramikplatte auf einem etwa 50 Zentimeter hohen Betonsockel, der fast ganz in
der Erde versenkt war. Der oben auf der Platte eingebrannte Name ist falsch geschrieben (Bongarts).
Der Grabstein befindet sich inzwischen als "museale Leihgabe auf Widerruf" im Archiv der
Gedenkstätte in Königsbronn. Die
Übergabe erfolgte im Oktober 2008.
Beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. kann unter
www.volksbund.de/graebersuche/
nach Kriegsgräbern recherchiert werden. Dort findet sich auch dieser Eintrag von Theodor Bongartz.
Im Gräberbuch der Kriegsgräber des Böckinger Friedhofs in Heilbronn ist Theodor Bongartz
unter der laufenden Nummer 57 eingetragen.
Vergrößerung.
Familien- und Vorname: Bongartz, Theodor
Geburtstag und -ort: 25.12.1902 Krefeld
Dienstgrad: Oberfeldwebel - Richtig ist: SS-Oberscharführer.
SS-Dienstgrade.
Todestag und -ort: 15.5.1945 Heilbronn-Böckingen
Staatsangehörigkeit: deutsch
Name und Anschrift der Angehörigen: Babette Bongartz, geb. Pfleider, Dachau
Bezeichnung der Grablage (Block, Reihe, Nummer): 19 17 6
Grab nach § 1 Abs. 1 Ziff. ... des Gräbergesetzes: 2
Das
Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft
(Gräbergesetz) dient dazu, "der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in besonderer
Weise zu gedenken und für zukünftige Generationen die Erinnerung daran wach zu halten,
welche schrecklichen Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben." Es nennt in § 1 Abs. 1 Ziff. 2
Gräber von Personen, die im 2. Weltkrieg im Zusammenhang ihres militärischen oder militärähnlichen Dienstes
umkamen und Personen, die während der Kriegsgefangenschaft gestorben sind. Alle im Gräbergesetz
genannten Personen haben ein zeitlich unbegrenztes Ruherecht, ihre Gräber bleiben dauernd bestehen.
Als Theodor Bongartz nach Kriegsende bei Heilbronn in amerikanischer Kriegsgefangenschaft starb, stufte man den vermeintlichen
Wehrmachts-Oberfeldwebel als Opfer nach Ziffer 2 ein. Man ahnte nicht, dass er in Wirklichkeit zum SS-Personal des
Konzentrationslagers Dachau gehört hatte, wo er Georg Elser und andere Gefangene erschossen hatte.