Die weltweit erste Elser-Biografie erschien 1974 in Frankreich
Schon fünfzehn Jahre, bevor in Deutschland die erste Elser-Biografie erschien, hat ein französischer
Professor in Angers ein 272 Seiten dickes Buch über den Bürgerbräuattentäter geschrieben, das 1974 in Paris
erschien. Diese weltweit erste Elser-Biografie ist in Deutschland sogar unter Elser-Experten völlig unbekannt.
VON PETER KOBLANK UND LAURENT BUSTAUS (ÜBERSETZUNG)
Der Autor war Professor an der Université catholique de l'Ouest in Angers und hieß Dr. André Bogaert.
Sein 272-seitiges Werk trägt den Titel "Un homme seul contre Hitler. L'attentat de
la Bürgerbräukeller" (deutsch: Ein Mann allein gegen Hitler.
Das Attentat im Bürgerbräukeller).
Das Buch erschien 1974 in Paris im Verlag Robert Laffont in der Sammlung "Ce jour-lá".
Die Biografie basiert im Wesentlichen auf dem sogenannten
Gestapoprotokoll, das Bogaert in Form der
von Lothar Gruchmann im Jahr 1970 herausgegebenen "Autobiografie eines Attentäters" vorlag. Die Namen
von Zeitzeugen sind in dieser Ausgabe mit dem jeweiligen Anfangsbuchstaben abgekürzt, was Bogaert so
übernommen hat.
Bogaert verarbeitete offensichtlich auch zahlreiche weitere Quellen, die jedoch in seiner Bibliografie nicht genannt sind.
Ohne Kenntnis der Autobiografien von Walter Schellenberg oder Sigismund Payne Best wäre aber beispielsweise sein
ausführliches Kapitel über den
Venlo-Zwischenfall
nicht möglich.
Inhaltsverzeichnis von "Un homme seul contre Hitler. L'attentat de
la Bürgerbräukeller"
Vorwort
I
Konstanz, 8. November 1939
II
Konstanz, 8. November 1939
III
Die Venlo-Affäre
IV
Otto Strasser
V
Konstanz, 8. November 1939 um 21 Uhr
VI
Georg Elser. 1903-1932
VII
Nebentätigkeiten von Georg Elser
VIII
Georg Elser. 1932-1938
IX
Die Motive Elsers
X
Elser in München, 8. und 9. November 1938
XI
Elser, November 1938 - April 1939
XII
Elser in München, vom 5. August bis 7. November 1939
XIII
Elser im Bürgerbräukeller
XIV
Elser im Konzentrationslager
XV
Die christlichen Deutschen
XVI
Irrtümer über Elser. Ihre Gründe
XVII
Der Tod Elsers
XVIII
Elser, unempfindlich gegenüber dem Prestige
XIX
Elser, von der Opposition zur Entscheidung
XX
Die Folgen des Attentats
XXI
Schlussfolgerung
XXII
Die Hitler-Rede vom 8. November
Bibliografie
Index
Das Buch endet auf Seite 240 mit folgenden Worten: "Seine Tat bleibt erinnerungswürdig.
Inmitten eines sich tief verneigenden Volkes, eines unentschlossen und zitternden Europas war
die Explosion im Bürgerbräukeller wie ein Blitz in der Nacht. Es ist ein Ereignis, das
größer ist als der Name, den es trägt. Ein Mann hatte sich gegen die Tyrannei erhoben, für die
Ehre der Menschheit hatte er es gewagt."
Zwölf Jahre später schrieb der Engländer
Stephen Sheppard
1986 den Roman "The Artisan" (deutsch: Der Handwerker), der Vorlage für den Spielfilm
"Georg Elser - Einer aus Deutschland" von Klaus Maria Brandauer wurde.
Erst 1989 erschien in Deutschland eine Elser-Biografie von Helmut Ortner, gefolgt von
Hellmut G. Haasis (1999), Peter Steinbach und Johannes Tuchel (2008) und Ulrich Renz (2009).
Bogaerts Buch wird zwar im Literaturverzeichnis der Elser-Biografie von Steinbach/Tuchel
genannt, ist aber selbst unter Elser-Experten praktisch unbekannt. Im April 2011 wurde das Buch, von dem nur noch ein paar dutzend
antiquarische Exemplare auf dem Markt sind, durch ein E-Mail von Monsieur Dominique Guillet aus Frankreich an den Autor dieses
Artikels wiederentdeckt.