Verhör Georg Elsers durch Himmler

Von Alfred Böhme, Chef der Kriminalpolizei München

Nur einmal habe ich ihn [Elser] gesehen, nie mit ihm gesprochen. Als ich den Inhaftierten sah, war ich zufällig Zeuge einer brutalen Szene, die sich zwischen dem Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, und dem Gefangenen Georg Elser in Gegenwart Nebes und mir abspielte.

Himmler, Nebe, Gestapo-Leitstelle München, Böhme.

Unter wüsten Beschimpfungen trat Himmler den gefesselten Elser schwer mit den Stiefeln in den Leib, dann ließ er ihn von einem mir unbekannten Gestapo-Mann in den angrenzenden Waschraum des Zimmers des Leiters der Gestapo-Leitstelle München zerren, wo er von diesem mit einer (für mich nicht sichtbaren) Peitsche oder einem ähnlichen Instrument traktiert wurde, so dass er vor Schmerzen aufbrüllte, dann wurde er wieder im Geschwindschritt vor Himmler gebracht, der ihn abermals trat und beschimpfte.

Dann wieder in den Waschraum gezerrt, dort wieder fürchterlich geschlagen, wieder vor Himmler geführt und wieder getreten. Der stöhnende und über und über aus Mund und Nase blutende Elser legte aber kein Geständnis ab, wohl schon rein physisch hätte er das nicht gekonnt, wenn er schon gewollt hätte.

Quelle: Hellmut G. Haasis, Den Hitler jag' ich in die Luft, Berlin 1999, S. 72


Dr. Albrecht Böhme war Jurist und Chef der Kripoleitstelle München.

In der Tatortgruppe für das Bürgerbräuattentat hatte er die Idee, den Schuttberg im zerstörten Bürgerbräukeller sorgfältig zu durchsieben. Mit Hilfe von Lehrlingen der Uhrmacherfachschule wurden hunderte von Metallteilen sowie Reste von Isoliermaterial gefunden, die über die Verkäufer letztlich zu Elser führten.

Nach dem 2. Weltkrieg war Böhme im Bayerischen Staatsministerium des Inneren beschäftigt. Er stand kritisch zu den Plänen, beim Aufbau des Bundeskriminalamts (BKA) neben ehemaligen Mitarbeitern von SD und Gestapo auch die Struktur des alten Reichskriminalamts zu übernehmen. Siehe auch: Dieter Schenk: Auf dem rechten Auge blind. Die braunen Wurzeln des BKA. Köln 2001, S. 41

Niemand sonst aber hat jemals von Heinrich Himmler unmittelbar persönlich verübte Gewalttätigkeiten bezeugt. Tatsächlich handelt es sich bei Albrecht Böhme um einen nicht unbedingt vertrauenswürdigen Zeitzeugen. Siehe auch:

Daniel Siemens: SA-Gewalt, nationalsozialistische "Revolution" und Staatsräson: Der Fall des Chemnitzer Kriminalamtchefs Albrecht Böhme 1933/34. In: Nikolaus Wachsmann/Sybille Steinbacher (Hrsg.): Die Linke im Visier. Zur Errichtung der Konzentrationslager 1933. Göttingen 2014, S. 191-213, hier: S. 205. PDF 6,3 MB

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