Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim: Gerhard Majer


Gerhard Majer (*1948, †2004) gründete 1988 den Georg-Elser-Arbeitskreis Heidenheim.

Gerhard Majer
Gerhard Majer bei einer Elser-Lesung im Jahr 2000.

Nachruf

Er war so eine Art ostwürttembergischer Franz Xaver Kroetz: sozialkritischer Autor, Schauspieler, gerne auch Lebemann. Sein Leben hat Gerhard Majer dem Theater verschrieben so lange es ging. Am Samstag, 3. April 2004, ist er 56-jährig gestorben.

Als uneheliches Kind, für seine Entwicklung war das wichtig, wurde er am 7. Januar 1948 in der Heidenheimer Oststadt geboren. Im Jahr der Einschulung, als Sechsjähriger also, ging er zu den Volksschauspielen: Hier konnte er die Erfahrung des "Underdog" in späteren Jahren produktiv ausleben. Zwei Jahre später hatte er seine erste Sprechrolle: "Der Hamster hat mich gebissen".

   Majer und Mies
Gerhard Mayer und Herbert Mies, Vorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), im Jahr 1983 bei einer VVN-Veranstaltung.

Spieler, Regisseur vor allem und unverwechselbar: Dramatiker. In Stücken wie seiner durchaus umstrittenen "Blutschand'" konnte er das gar bündeln. Und das war ja nun so ein sperriges Stück, wie es seiner Vorstellung von kritischem Volkstheater entsprach und wie man das als weithin eigenständige Bühnenstimme schätzen konnte. Es ging um die Geschichte einer jungen Bäuerin, die in ärmsten Umständen ihren behinderten Bruder pflegt.

In "Brüderchen und Schwesterchen" hat Majer das, mit seiner eigenen, im Unteren Brenztal situierten "Schwabenbühne Hannes", wieder thematisiert. "Volks"-Schauspiele, "Volks"-Theater: Majer nahm diesen Begriff ausgesprochen ernst und auch politisch; zeitweilig trat er auch ein für die DKP. Und mit dem Traditionsverein auf dem Schlossberg, der ihm den Start seiner dramatischen Neigungen erlaubte, stand er gegen später nicht immer im Einklang.

Was nichts daran ändert: Einen wie Majer, eine proletarisches Produkt der '68er Bewegung, gab es in weitem Umkreis nicht noch einmal. Es waren auch Themen der Heidenheimer Geschichte, mit denen sich Majer ausgiebig befasste: "Der Kirschenkrieg" etwa; oder sein Stück über den Hitler-Attentäter Georg Elser, das er früher fertig hatte als Peter Paul Zahl das Seine. Und er verkörperte ihn szenisch gar in der historisierenden Collage Manfred Maiers (mit Harry Berger).

Früh schon hatte Majer gesundheitliche Probleme; und er zog sich in den letzten Jahren von der Öffentlichkeit stark zurück. Er lebte mit Frau und zwei Söhnen in Stetten ob Lontal. "Soll ich eine heile Welt herbeilügen?", fragte er, wenn man ihn nach der Düsternis mancher Stücke fragte. Er hat in den letzten Jahren selber nur in einer bedingt heilen Welt gelebt. Eine markante, eine unverwechselbare Stimme ist verstummt. Majer hat in und mit seinem Leben mehrfach bewiesen, wie man das Leben der einfachen Leut' leben und thematisieren kann und sich zugleich reflektierend aus ihm zu erheben.

Quelle: Manfred Allenhöfer, Einfacher Leut' Stimme, Heidenheimer Neue Presse 6.4.2004


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